Reisebericht: Südholland mit Rad und Schiff auf der MS Jelmar
26.05. bis 02.06.2007
Autor: Sascha Creutzburg
Das Reisetagebuch von Sascha und Ina - Mit der MS Jelmar durch Zuid-Holland
Ursprünglich sollte es nach Nordfrankreich oder Belgien gehen. Mit’m Jens und der Sandy. Da die aber nicht so richtig aus dem Mustopf kamen, entschieden Ina und Ich uns einfach mal nach Holland zu fahren – das Fahrrad natürlich dabei. Untergebracht waren wir auf der MS Jelmar, ein Schiff, das für eine Woche unser schwimmendes Hotel wurde.
26. Mai
Am 25.05. hatten wir noch beschlossen richtig früh (7.00 Uhr) loszufahren, so dass man gegen 10.00 Uhr in Amsterdam ist und noch richtig viel machen kann. Nachdem wir aber noch recht lang wach waren an diesem Abend, hatte ich so meine Zweifel, ob Ich oder Ina um 7.00 Uhr schon wach sein würden bzw. könnten. Naja und so wurde aus Abfahrtszeit 7.00 Uhr eben 10.00 Uhr, was für uns aber eine hervorragende Zeit ist. Die Fahrt lief dann auch ziemlich fix und Europa sei Dank war es auch kein Problem, dass Ina Ihren Ausweis nicht mithatte. Pünktlich um 13.00 Uhr erreichten wir Amsterdam und suchten zunächst die Anlegestelle unseres Schiffes. Direkt gegenüber von NEMO fanden wir es. Mit den uns vorliegenden Unterlagen war das kein Problem.
Wir waren die ersten Gäste und die Frau des Skippers blickte etwas verdutzt, wahrscheinlich auf Grund meines Alters, denn der Durchschnitt auf dieser Reise liegt eher bei 50+. Als ich Ihr dann erklärte, wie wir zu dieser Reise kamen, gab Sie mir dann auch den Schlüssel zu unserer Kabine – Nr. 6. Knapp 9m2 waren für die nächste Zeit unser Heim und die Kabine machte einen guten Eindruck – hier ließ es sich schon aushalten. Nachdem wir die Sachen abgeladen hatten und unsere guten Räder mit einem leicht mulmigen Gefühl auf dem Schiffsdeck zurückließen, fuhren wir das Auto auf einen bewachten Parkplatz am Rande Amsterdams. Park and Rail sollte hier möglich sein. Allerdings hat uns die Infotafel an der Einfahrt etwas verwirrt, weshalb wir nochmal nachfragen wollten. Der Parkplatzwächter, ein kleiner farbiger Mann mit Rastahaaren, höchst wahrscheinlich bekifft, versicherte uns aber den Preis von € 5,50 pro Tag auch über die an der Infotafel erwähnten vier Tage hinweg. Na mal sehen.
Also Auto abgestellt, nochmal Tschüss gesagt und mit der Tram wieder in die Stadt gefahren. Und hier waren Menschen über Menschen, keine Ahnung wo die alle herkamen und was die hier wollten. Ein paar Einheimische, die meisten aber Engländer, die sich verkleidet durch die Stadt soffen, so dass fast jeder um vier bereits betrunken war und alle dazu noch bekifft.
Gegen 18.00 Uhr unterbrachen wir unseren Stadtbummel und kehrten zur allgemeinen Begrüßung und dem Abendbrot wieder zurück aufs Schiff. Nun lernten wir unsere zehn Mitreisenden und natürlich den Skipper Jan-Albert und seine Frau Geke (sprich Cheke) kennen.
Nach dem Essen gingen wir noch einmal los. Die die bereits zum Nachmittag angefangen hatten zu trinken waren mittlerweile komplett über den Haufen und jegliche Hemmungen los, so dass es die meisten von Ihnen ins Rotlichtviertel zog. Ina und mich auch – aber nur mal zum gucken. Schon seltsam so lebendige Unterwäsche-Schaufensterpräsentationen in rotem Samtambiente. Manch einer fand das ganze zu interessant und machte gleich mal ein paar Photos. Im nächsten Augenblick wurde er dann allerdings von einer der Damen mit einer Bierbüchse (Marke Heineken) beworfen. Zum Glück war die Werferin gut geübt und traf auch ihr Zielobjekt und nicht mich harmlosen Passanten, der nur zwei Meter entfernt war. Ina und Ich machten uns schnell weiter bevor aus den Büchsen vielleicht noch Fässer würden, passierten noch ein paar sehr öffentliche Herrenklos und strebten in Richtung Schiff. Unterwegs konnte wir dann noch beruhigt feststellen, dass auch in dieser Gegend für die Kleinsten gesorgt war. So findet man zwischen zwei rot illuminierten Lokalen den Prinses Kindergarten.
Amsterdam; eine seltsame Stadt. So bürgerlich nach außen und in sich aber so jung, vulgär, dreckig, rotzig, schamlos, charmant, entspannt – und bekifft.
Die erste Nacht stand bevor. Schon bald hatte man sich auch an die leicht abfallende Kabine gewöhnt und ignorierte auch das Gefühl, dass sich irgendwas bewegt. Auch wenn das Bett sehr schmal war (In der Kabine gab es zwei, allerdings war das eine bereits von einem Nilpferd okkupiert worden) hatten wir genug Platz um gemütlich und gut zu Schlafen.
27. Mai
Regen und viel zu früh. Da irgendwelche Schleusen zu ganz bestimmten Zeiten nur offen waren ging der Tag recht früh los. Um 8.00 Uhr gab es Frühstück und 9.00 Uhr wurden wir auf in Zaandam auf unseren Weg geschickt. Hektik pur; und das im Urlaub – aber ging schon.
Die Tour führt zunächst nach Zaanse Schans (wenns ein Holländer sagt versteht man kein Wort) und dann weiter nach Haarlem. Ich glaube Ina und Ich sind erneut wieder aufgefallen mit unseren Rädern und der Kleidung. Wir haben uns aber einfach der Gruppe angeschlossen und sind gemeinsam auf den Weg gemacht. Zaanse Schans ist ein kleines, einer typischen und ursprünglichen holländischen Siedlung nachgebautes Dorf. Kleine grüne Holzhäuser an schmalen von Brücken überspannten Kanälen und natürlich die Windmühlen. Diese dienten zumeist nicht dem mahlen von Getreide sondern vielmehr zum Wasserpumpen, um Land zu gewinnen, wodurch die weiten Polderlandschaften entstanden, die Holland heutzutage kennzeichnen. Durch diese Landschaft fuhren wir dann weiter in Richtung Küste. Meist über Wege mit kleinem Kopfsteinpflaster, nicht schlimm aber auf Dauer rüttelt es doch einwenig, so dass Ina langsam aber sicher meschugge wurde. Hinzu kam das nasskalte Wetter und fehlende Stände mit Matjes und Briochekuchen, was zu noch weniger Radfahrlust führte.
Nach Haarlem kamen wir aber trotzdem und fanden hier auch schnell unser Schiff. Und hier gab es dann auch etwas zu Essen für uns und wir holten noch ein wenig Schlaf nach. Am späten Nachmittag wir dann kurz in die Innenstadt von Haarlem. Nach einem Kaffee und dem Blick durch das Schaufenster eines Radladens entschloss sich Ina ein echtes Hollandfiets zu holen. Auf dem Rest unserer Tour suchten wir daher in allen Orten vor allem die Fietswinkel auf.
18.30 Uhr gab es wieder Essen – mit Fleisch und typisch holländisch mit Apfelmus als Gemüse. Der Tag ging zu Ende mit einigen Bier (Hoegaarden) und der Arbeit an Inas Referat für Fußball. Am Nebentisch spielten unsere Mitreisenden derweil Karten.
28. Mai
Von Haarlem ging die heutige Etappe nach Leiden. Das erste Ziel für uns war jedoch zunächst Zandvoort, wo Ina vor geraumer Zeit schon einmal Urlaub gemacht hatte. Auf der Rennstrecke in Zandvoort fand an diesem Tag auch ein Rennen statt und wir beschlossen uns das mal von außen anzusehen. Allerdings war es ja noch früh am Tag und so beschlossen wir zunächst wieder zurück zu fahren nach Haarlem die beiden großen Kirchen uns anzusehen, weitere Fiets bestaunen, dann wieder nach Zandvoort zurückzukehren und an einer der Strandbuden Vritjes und Fischbrötchen zu holen und uns damit in die Dünen setzen und Autorennen angucken (wenn man was sieht).
Gedacht getan und so verbrachten wir den Vormittag ohne wirklich voranzukommen. In Zandvoort holten wir noch einen Sixpack Heineken, um dann gut ausgerüstet nach Leiden zu fahren. Keiner konnte ja mit der gemeinen Attacke eines fliegenden Untiers auf Inas Lippe rechnen. Was aus dem Vieh geworden ist kann keiner sagen, aber Inas Lippe schwoll langsam aber sicher an. Trotz schweren Treffers radelten wir weiter auf dem ansonsten schönen Radweg durch die Dünen. In Nordwijk versuchten wir dann mit einem Heineken das Gift des Untiers in Inas Körper zu neutralisieren, ich trank natürlich mit, um einen Vergleich der Wirkungsweise zu haben.
Auf dem Rest des Weges wurden wir etwas nass, da es anfing zu regnen. Im Schiff ging es daher erstmal unter die warme Dusche. Pünktlich um 18.30 Uhr gab es wieder Abendessen, was übrigens jeden Tag mit einer schmerzhaft lauten Schiffsglocke eingeleitet wurde, weshalb ich eigentlich nicht verstand, warum sich die meisten Gäste bereits vor diesem Signal in den Speiseraum begaben.
Nach dem Essen haben wir uns noch mit unseren Mitreisenden Leiden angesehen und uns über all die großen Kirchen gewundert.
Morgen geht’s weiter – Gute Nacht.
29. Mai
Regen! Also beschlossen wir alle auf dem Schiff zu bleiben und Holland mal von dieser Seite kennen zulernen. Natürlich hörte es pünktlich beim Start des Schiffes auf zu regnen. Aber egal. Es war interessant einmal die Häuser und ihre kleinen Stege und Terassen von der Kanalseite zu sehen.
In Delft angekommen borgten wir uns bei zwei unserer Mitreisenden die Räder aus und machten noch unsere Tour. Mit den Tourenrädern, die wir nun hatten konnten wir auch wesentlich entspannter durch die Stadt fahren und die Räder auch mal irgendwo draußen stehen lassen. Nächstes Mal machen wir das auch so.
Von Delft fuhren wir zuerst nach Den Haag oder wie mans hier nennt s’ Gravenhagen. Gleich am Stadtrand gab es auch wieder einen Fietsladen, in den wir erst mal reingingen. Und hier gab es ein Omafiets in rosa – genau das richtige für Ina wie wir dann beschlossen. Da es aber mit dem Transport etwas schwierig war begnügten wir uns zunächst mit dem Wissen um ein solches Fiets und wollten aber dann in Amsterdam sehen ob wir ein solches nicht auch dort bekämen. Gut gelaunt und euphorisch fuhren wir ins Zentrum von Den Haag und wie es sich um eine richtige Politikstudentin gehört haben wir uns hier die World Peace Flame, das Verwaltungsgebäude der Regierung und den Internationalen Gerichtshof angesehen. Beide untergebracht in sehr schönen Burg- oder Schlossähnlichen Gebäuden.
Aber es war kalt und irgendwie ungemütlich. Deshalb fuhren wir zurück nach Delft. Im Albert Hein, Hollands größter Supermarktkette, holten wir den schon so lange gesuchten Chinois – Brioche mit Pudding – und natürlich Hoegaarden.
18.30 Uhr wieder das übliche Zusammenkommen mit unseren Mitreisenden beim Abendessen. Gestärkt und mit zwei Elektrolytgetränken ausgestattet besuchten wir am Abend dann die Innenstadt von Delft. Irgendwie schön hier. Alte Häuser und überall Kanäle. Zwei große Kirchen mit einem großen Marktplatz. Am Prinsenhof soll man angeblich irgendwelche Schussspuren sehen, die von der Ermordung Wilhelm von Oranje herrühren. Wir haben nichts gefunden. Tod ist er trotzdem. Und Delft auch trotzdem schön.
30. Mai
Die Sonne scheint. Strahlend blauer Himmel begrüßt uns an diesem Morgen. Aber der Schein trügt ein wenig, denn es ist ziemlich frisch. Wie üblich gibt es um 8.00 Uhr Frühstück. Währenddessen tuckern wir in Richtung Rotterdam.
So, jetzt bin ich mal dran. Der kleine Sascha bricht mir sonst noch zusammen. Was hat er denn bis jetzt schon geschrieben? Moment…
Ach ja. Also: Wir saßen dann noch eine ganze Ewigkeit in diesem Boot. Irgendwann gings dann mal über die Maas an der Stadt vorbei. Mir war zu kalt. Deswegen habe ich den wohl wunderschönen Ausblick nur von Innen anschauen können.
Irgendwann später legten wir an – in Kinderdijk. Dort stehen ganz viele Mühlen. Die Reisegruppe – leider ohne den schwabengünstigen Gruppentarif nutzen zu können – hat sich eine solche Mühle auch mal von innen angesehen. Ich hingegen versuchte den ersten Sturz des Urlaubs – stuntreif. Leider habe ich die Gracht verfehlt. Dann nochmal alle Mann an den Mühlen auf und ab gefahren und für € 0,60 mit der Fähre übergesetzt trennten sich die Wege unserer Reisegruppe & unserem.
Auf meinen Wunsch hin ging es noch mal zurück nach Rotterdam. Nach einem tollen Mittagsbrötchen am Ufer der Maas fuhren wir noch in Richtung Innenstadt. Leider hatte auch Rotterdam den II. Weltkrieg nicht unbeschadet überlebt und konnte so leider nicht mit den schönen historischen Häusern der andere holländischen Städte mithalten. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass in Rotterdam schon die Kinder in einem Blaumann geboren werden. Genau diesen Eindruck hatten wir auch. Uns hats trotzdem gefallen und wahrscheinlich haben wir die schönen Ecken bloß nicht gesehen.
Also dann raus aus Rotterdam und Richtung Gouda (sprich Chauda), denn da solls heute hingehen. Aber der Sascha sucht natürlich nicht den direkten Weg heraus, Nein, Zickzack durch die Polderlanschaft (kommt von poldern oder sonst wie, Sascha konnte es mir von 10 m voraus nicht verständlich mitteilen.) Unser nächstes Etappenziel jedenfalls war das 20-22 km entfernte Schroovenhoven. Ich fand die Strecke sehr angenehm. Kein Gegenwind, kein Berg, km lang geradeaus; ein paar Kühe und Schafe am Wegesrand und ansonsten weite grüne Polder – so schön kann Holland sein. Auf meiner Fahrt durch diese Landschaft konnte ich übrigens auch nochmal meinen Ortsschildsprint Rotterdam in Gedanken genießen.
In dem kleinen beschaulichen Schroovenhoven haben der Sascha und Ich einen Kaffee zu uns genommen und sind dann weitergeradelt. Um die 70km voll zu kriegen, machten wir in Gouda gleich noch eine kleine Ortsbefahrung, bevor wir auf das Schiff zurückkehrten. Dort wurden wir schon sehnlichst von unseren Mitreisenden erwartet. Mit Wasser, Seife und einem Hoegaarden geduscht saßen wir schnell wieder frisch geschniegelt am Abendbrottisch. Es gab niederländisches Allerlei. Das war sehr lecker und wir haben wirklich ganz schön viel gegessen.
Danach machten wir wieder unseren obligatorischen Innenstadtrundgang. Auch Gouda ist ein schönes Städtchen und macht deutlich wofür dieser Ort bekannt ist. In der ganzen Stadt sind Goudakäse aufgehängt bzw. auf den Laternen aufgesteckt. Wir haben leider nicht herausbekommen, ob die alle echt waren, obwohl sie so aussahen. Allerdings möchte ich mir dann nicht vorstellen, wie es hier riecht wenn’s mal ne Weile warm ist. In Gouda steht auch mal wieder eine völlig überdimensionierte Kirche, die Janskerk, die zudem auch die längste Hollands ist – schon ein bisschen beeindruckend. Morgen wollen wir sie uns von Innen ansehen. Auf unserem Weg zurück zum Schiff ziehen wir das Fazit, Gouda ist eine typische holländische kleine Stadt mit schönen spätmittelalterlichen Straßenzügen und aber auch moderner 50er, 60er und 70er Jahre Langeweile.
Jetzt sitzen wir also wieder an Bord der Jelmar und sind todmüde, rot-braungebrannt, vorfreudig auf das Bett und auf den morgigen Tag. Und noch was; Dank Udo, dem Dortmunder Schwaben und seiner 1 Euro- und 2 Euro-Münze mit Prägung der römischen Verträge bin ich heute zum Numismatiker geworden. Wenn wir heute nicht von Ratten gefressen werden, die bei Ebbe unter der freigelegten Anlegestelle hervorkommen dann ist an folgender Stelle morgen mehr zu erfahren von Saschas und Inas Abenteuern in Holland. Guts Nächtle.
31. Mai
Nach dem kurzen Inamezzo berichte ich also weiter. Der heutige Tag beginnt (immer noch unterhalb der Hafenkante) entgegen der gestrigen guten Aussichten mit Regen. Und so verbringen wir wieder einmal den Vormittag in aller Gemütlichkeit auf der MS Jelmar. Wir machen es uns in unserer kleinen Kabine noch einmal gemütlich, denn die nächste Ausstiegsstelle erreichen wir wahrscheinlich erst gegen 11.00 Uhr. Unterhalten werden wir derweil von „den Drei!“. Die anderen Gäste lesen Bücher planen die heutige Route oder blicken in die weite holländische Landschaft. Kurz vor Uithoorn passieren wir dann eine kleine Schleuse, an der uns Jan-Albert von Bord lässt. Mittlerweile ist der Tag auch recht schön geworden.
Da der Weg von Gouda nach Uithoorn in der Routenbeschreibung als sehr schön geschildert wird, wollen wir die Strecke einfach in anderer Richtung, eben wieder zurück nach Gouda fahren. Es geht los entlang dem Kanal, auf dem auch das Schiff weiterfährt. Wir sind natürlich viel schneller und lassen die MS Jelmar bald hinter uns. Kurvenreich geht es an kleinen Gärten und Häuschen vorbei durchs Landesinnere Zuid-Hollands. Das Wetter ist wunderbar und so sind die 40 km bis Gouda schnell bewältigt, zumal in Holland kein Berg das Fortkommen behindert.
Da wir ja die angesprochene Kirche noch nicht von innen gesehen hatten war diese unser erstes Ziel in der Stadt. Wie üblich hier in Holland muß man für den Besuch aber bezahlen, und auch nicht wenig. Da wir generell gegen das Eintritt zahlen in Kirchen sind blieb uns auch hier der Blick ins Innere verwehrt. In Gouda wollten wir auch wieder Vritjes essen. Leider fanden wir in der ganzen Stadt keine ordentliche Vritjesbude. Wir disponierten daher um, und holten uns ein Baguette sowie ein großes Stück Zaanlander Käse. Sehr lecker und verdammt günstig. Dazu gab es eine Milch für Ina und Cola für mich. Gemütlich setzten wir uns in die Fußgängerzone und aßen unseren kleinen Mittagssnack. So verbrachten wir einige Zeit mit Ausruhen und Leute-Gucken.
Dann ging es weiter entlang der Ijssel in Richtung Utrecht. In Oudewater fuhren wir dann allerdings nach Woerden, also wieder in Richtung Uithoorn. Dort gönnten Ina und Ich uns noch einen Kaffee und mussten dann feststellen, dass es schon recht spät war. Das bedeutete die 25 km bis Uithoorn mussten in straffem Tempo zurückgelegt werden, um noch rechtzeitig zum Abendessen auf dem Schiff zu sein. Also spannte ich mich als Lokomotive vor Ina und wir brausten schnellstmöglich Richtung MS Jelmar. Am Ziel hatten wir dann nur 5 Minuten Verspätung, was uns aber keiner übel nahm und unsere Vorsuppe haben wir auch noch bekommen. Am Abend konnten wir uns sogar noch dazu durchringen einen kurzen Spaziergang in Uithoorn zu machen, wo es allerdings nicht sehr viel zu sehen gibt, weshalb wir schon bald wieder auf das Schiff zurückkehrten.
Angenehm erschöpft schlafen wir schnell ein. Mitten in der Nacht wachte ich auf, weil über uns ein Heidenkrach gemacht wurde. Keine Ahnung wie spät es war dachte ich zunächst der Kapitän holt den Steg ein oder regelt sonst was auf Deck. Um mein Gewissen zu beruhigen ging ich trotzdem kurz nach oben um einen Blick übers Deck zu werfen. Die Fahrräder waren auf jeden Fall noch da und sonst schien auch alles in Ordnung. Ich ging daher wieder ins Bett. Am nächsten Morgen erzählte man sich dann, dass auch andere den Krach gehört hätten und, dass ein Feuerlöscher weg ist. Jan-Albert geht daher davon aus, dass nicht mehr ganz nüchterne Typen sich einen Spaß erlaubt haben.
01. Juni
Wie bereits geschrieben, wurde am Frühstückstisch zunächst aufgeregt diskutiert, was in der Nacht zuvor los war. Zum Glück hielt sich der Schaden in Grenzen und so konnten wir gut gelaunt bei strahlendem Wetter die letzte Etappe in Richtung Amsterdam in Angriff nehmen.
Die ersten 20 km fuhren wir zunächst mit unseren schwäbischen Mitreisenden zusammen entlang der Amstel vorbei an vielen Gärten und Villen im Randgebiet von Amsterdam. Als die Gruppe dann eine ausgedehnt Pause kurz vor den Toren der Innenstadt einlegte verabschiedeten wir uns, denn wir wollten unsere Tour nach Norden fortsetzen und auf die Insel Marken fahren. Ach übrigens hat Ina am heutigen Tag fast alle Wertungen gewonnen unter anderem auch die allerwichtigste der ganzen Tour das letzte offizielle Ortsschild Amsterdam. Das Ziel der Reise.
Die Fahrt durch die Stadt verlief sehr gut und mit der kostenlosen Fähre erreichten wir die andere Seite des Het Ij. Hier ging es durch einen Parkweg aus der Stadt hinaus in die weiten flachen Polderlandschaften Noord-Hollands. Auf dem Deich fuhren wir meist mit leichtem Gegenwind entlang der Küste des Ijsselmeer bzw. Markermeer, wie es hier heißt. Weil ich mal wieder besonders clever sein wollte, dachte ich wir fahren zunächst nach Volendam und dort die auf der Karte eingezeichnete Route mitten übers Meer. Ich dacht ursprünglich hier gäbe es einen Deich oder eine lange Brücke nur für Radfahrer. Dem war aber nicht so, ich hatte einfach das kleine Fährensymbol übersehen. Die Fähre von Volendam nach Marken ist aber erstens nicht ganz billig und zweitens hatten wir inzwischen festgestellt, dass wir gar kein Geld mithatten. Somit fiel auch der schon bei der morgendlichen Abfahrt ersehnte Kaffee aus. In Volendam machten wir dann also, nach einem kurzen Abstecher nach Edam eine Pause an der Küste. Ein Stück Brioche brachte uns für die Rückfahrt wieder zu Kräften.
Auf dem Weg zurück nach Amsterdam wollten wir nicht denselben Weg wie auf dem Hinweg nutzen und peilten daher erst einmal Pumerend an. Wir passierten die Stadt am Rand und fuhren eigentlich die ganze Zeit geradeaus bis wir auf einen Kanal stießen, über den es zwar eine Fähre gab, unser Problem ohne Geld unterwegs zu sein aber noch immer nicht gelöst war. Wir mussten wohl oder übel einen Umweg von knapp 9km in Kauf nehmen, um 10m Wasser zu überwinden. Von hier ging es dann kurvenreicher durch das Erholungsgebiet Ostzaan im Norden von Amsterdam. Bis zum Schiff streckte sich die Strecke allerdings noch recht ordentlich, so dass wir bei unserer Ankunft auf der MS Jelmar fast 115km am heutigen Tag gefahren sind. Eine ordentliche Leistung würde ich meinen. Dementsprechend müde waren wir allerdings auch. Nachdem Ina Ihre Sonnenbrille absetzte stellte ich belustigt fest, dass Sie spätestens nach dem heutigen Tag eine weiter Brille aufhatte – so zu sagen fest eingebrannt. Dazu das restliche leicht rot leuchtende Gesicht – entzückend. Bei mir hat es nur die eh schon vorhandenen Ränder an Armen und Beinen verstärkt und ein wenig die Brille im Gesicht verewigt.
Der Tag war allerdings noch nicht zu Ende. Nach dem (letzten) Abendessen packten wir die ersten Sachen zusammen, die wir mit Sicherheit nicht mehr brauchten und fuhren noch einmal mit den Rädern zu unserem Auto. Ein wenig froh waren wir schon, als wir sahen, dass Roman die Woche in Amsterdam ohne Schaden überstanden hat. Die Räder und Sachen im Auto verstaut, fuhren wir mit der Tram wieder in die Stadt und statteten einem Fietsladen am Bahnhof zunächst einen Besuch ab, da wir ja immer noch auf der Suche waren nach einem echten Holland-Omafiets für Ina. Das uns angebotene Rad war allerdings schon alt und einiges zu teuer dafür. Also gingen Ina und Ich nun auf direktem Weg zu dem bis 22.00 geöffneten Albert Hein in der Nähe des Innenstadtplatzes Dam, um hier unsere tägliche Ration Hoegaarden und Cola zu holen.
Wieder zurück auf der MS Jelmar war mit uns nicht mehr allzu viel los und wir setzten uns nur noch einmal kurz mit einer Honigmelone aufs Deck und betrachteten Amsterdam bei Nacht. Irgendwann fielen wir dann ins Bett und schliefen den Schlaf der Gerechten.
02. Juni
Der Abschiedstag bescherte uns noch einmal herrlichen Sonnenschein. Nach der Verabschiedung mit Gruppenfoto machten wir uns mit den letzten Sachen auf den Weg zu unserem Auto.
Den Abend zuvor hatten wir beschlossen, mit dem Auto noch einmal nach Den Haag zu fahren, wo wir das bisher beste Angebot für ein Fiets gesehen haben. Da wir das letzte mal allerdings aus Richtung Delft kamen und außerdem mit dem Rad unterwegs waren, fiel es uns nicht ganz leicht den Laden wieder zu finden. Wir beschlossen daher zunächst unsere Radstrecke zu suchen und uns dann entlang dieser versuchen zu orientieren. Und so landeten wir am Rande von Den Haag in einer Sackgasse. Vor uns ein Radweg. Ich stieg aus um mich direkt auf den Radweg zu stellen und eventuell etwas wieder zu erkennen. Nun, der Radweg war der richtige, wo der gesuchte Radladen war wusste ich aber immer noch nicht.
Wie die Holländer aber so sind, fragte mich einer als ich da so rum stand, was ich denn suche. Ich erklärte ihm unser Problem und dass wir ein Fiets kaufen wollen. Daraufhin erzählte er von seinem Nachbar und dass dieser alte Fiets repariert und wieder zusammenbaut und diese dann auch verkauft – für relativ wenig Geld. Was wenig Geld heißt hatten wir ja schon in Amsterdam erfahren, als man uns ein klappriges Rad für 240,- € anbot. Wir gingen trotzdem erst mal mit, um uns das ganze anzusehen. Der Holländer und sein Nachbar wohnten gleich in der Sackgasse. In einem kleinen Gang zwischen den Häusern und Terrassen begrüßte uns dann die Frau des angesprochenen Nachbarn und ebenjener selbst. Auf der Terrasse standen zwei Räder – Omafiets, wie wir sie suchten und auch in einem passablen Zustand. Eines davon war allerdings bereits verkauft. Das andere aber könnten wir haben. Es war relativ groß, aber mit dem Sattel ganz nach unter war es genau richtig für Ina (und auch für mich). Als wir nach dem Preis fragten rechneten wir jedoch wieder mit einem Betrag, der einem neuen Rad fast gleich käme, so wie in Amsterdam. Die Antwort vijfentzestig war; bereits auf holländisch zu verstehen. Als unser erster Helfer dann ins englische übersetzte war es Gewissheit 65,-€. Das Ding ist gekauft. Der Vollständigkeit halber wollten wir noch einen Korbhalter für vorn haben. Unser Holländer bot an, uns zu einem Geschäft zu fahren, wo es solche Gepäckträger gibt. Wir folgten Ihm und seinem Freund sowie seinem Hund Johnny mit unserem Auto. Der Gepäckträger war dann mit 46,- fast so teuer wie der Rest vom Fahrrad, aber der musste sein. Also auch gekauft. Da der Fietsbastler noch ein paar Sachen am Rad machen wollte hatten wir noch ein wenig Zeit und fuhren nochmal zum Strandbad nach Schevening, ebenfalls in der Nähe von Den Haag. Sehr exklusiv schien hier alles, weshalb wir nur noch einmal das Meer betrachteten, Ina sich von einer Hummel stechen ließ und wir dann wieder zu unserem neuen Fahrrad fuhren. Dem Fietsbauer gaben wir dann 70,- € und freuten uns über die neue Errungenschaft. Das war wahrscheinlich auch für die beiden Holländer lustig anzusehen, wie wir uns über ein typisches und tausendfach in Holland herumfahrendes Fiets freuen konnten. Nachdem wir auch das Verpackungsproblem positiv lösen konnten fuhren wir in Richtung Delft. Denn auch ich hatte noch etwas zu besorgen: Klompen für den Vati und eine Edamerkugel für meinen Bruder und seinen Freund. Beides fanden wir recht schnell in Delft. Und noch einmal konnten wir feststellen, dass diese Stadt wirklich schön ist. Auf dem heute stattfindenden Markt gab es für uns dann auch nochmal eine Portion Vritjes und dazu geräucherten Hering. Rund um glücklich machten wir uns auf den endgültigen Weg nach Hause. Ca. 19.00 kamen wir in Köln an, wo wir zunächst natürlich das Fiets wieder zusammenbauten und noch eine kurze Runde drehten. Toll. Und auch das gegenseitige Transportieren auf den Gepäckträgern funktionierte relativ gut.
Und damit ist die Tour zwar zu Ende, aber ein Stück Holland haben wir ja jetzt immer dabei.
Hier geht es zu unseren Radreisen mit der MS Jelmar.








