Der Herrgott hat einen großen Kindergarten

Vor ein paar Tagen habe ich folgende WhatsApp Message bekommen:

“Wir verbringen gerade unseren Urlaub in Sri Lanka in einem Ayurveda-Resort und machen fast drei Wochen eine entsprechende Kur. Wir genießen jeden Tag zwei Stunden Massage, Kräuterdampf-Inhalation, Kräuterbad, Akupunktur, ayurvedische Tinkturen (…) und kommen gerade vom Shirodhara Stirnölguss (…).”

Sozusagen als Beleg, dass das Geschriebene auch stimmt, waren zwei Fotos beigefügt. Auf einem strahlte mir ein sichtlich glückliches Paar entgegen und auf dem anderen fand sich der obligatorische Sonnenuntergang.

Kurz vor Sonnenuntergang am Michaelsberg bei Bruchsal
Kurz vor Sonnenuntergang am Michaelsberg bei Bruchsal

Als ich die Nachricht las, war der erste Gedanke, der mir spontan durch den Kopf schoss: “Ich würde sterben vor Langeweile”.

Ich brauche vor allem Bewegung an der frischen Luft

Wie sagt mein Mann immer so schön: “Der Herrgott hat einen großen Kindergarten.” Dieser Spruch stimmt auch in Bezug auf unsere Urlaubsvorlieben. Die einen fliegen um den halben Globus, um dort zu entspannen, entschlacken und aufzutanken, andere verbringen ihren Jahresurlaub an überfüllten Stränden oder auf einem Kreuzfahrtschiff.

Und ich brauche vor allem Bewegung an frischer Luft. Die Vorstellung, jeden Tag für ein paar Stunden regungslos dazuliegen, während jemand Öl auf meine Stirn rinnen lässt, treibt mir Schauer über den Rücken.

Fahrrad am Wegesrand in der Pfalz
Auf Radtouren erhole ich mich am besten.

Früher hatten Fernreisen auch für mich ihren Reiz, aber ich persönlich verbinde sie nicht primär mit Erholung. Meine Fernreisen erinnern mich an spannende Abenteuer und abwechslungsreiche Erlebnisse in mir zuvor fremden Kulturen. Und ich denke an tropische Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und Zeitumstellung. So ein Urlaub fernab der Heimat ist in der Regel schon vorbei, bevor man sich akklimatisiert hat. Früher hat mir das nichts ausgemacht, heute empfinde ich das anders. Auch ich werde leider nicht jünger. Aber in die Ferne reisen, um mich in kürzester Zeit einer Unzahl an Dampfbädern, Inhalationen und sonstigen Behandlungen zu unterziehen? Das kam mir nie in den Sinn. Und es würde auch nicht dafür sorgen, dass ich den Rest des Jahres stressfrei und gelassen durchs Leben schreite.

Meine Entspannung finde ich im Alltag

Wenn ich runterkommen will, ziehe ich meine Joggingschuhe an und laufe eine Runde oder schwinge mich aufs Rad und erkunde die Gegend. Bewegung an frischer Luft entspannt mich. Wenn ich beim Joggen, Radfahren oder Spazierengehen den Wind im Gesicht spüre, das Rascheln der Blätter höre oder den Vögeln lausche, dann bin ich tiefenentspannt und vermisse nichts. Eigentlich bin ich zu beneiden!

Denn wer im Alltag keine Wege findet, um abzuschalten und zu entspannen, kann den Stress und die kleinen Sünden des Alltags auch im Jahresurlaub nicht kompensieren. Umgekehrt wird wahrscheinlich eher ein Schuh draus. Aber, wie gesagt, der Herrgott hat einen großen Kindergarten. Und wie und wo man seinen Urlaub verbringt, bleibt glücklicherweise jedem selbst überlassen.

Glücklich, wer es schafft, sich auch im Alltag zu erholen! Zum Beispiel bei einem Spaziergang durch den Wald.
Glücklich, wer es schafft, sich auch im Alltag zu erholen! Zum Beispiel bei einem Spaziergang durch den Wald.

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