Eine Krise ist auch immer eine Chance

Wir von Radissimo sind zu zweifelhaften Ruhm gekommen – ein Mitarbeiter der Heilbronner Stimme entdeckte in einem Online-Portal unseren Antrag auf Insolvenz und kontaktierte daraufhin den vorläufigen Insolvenz-Verwalter, Herrn Frank Bassermann, zwecks einer Stellungnahme. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht im Netz. Ich will nicht behaupten, dass wir viral gingen, aber wir waren sogar überregionalen Print- und Onlinemedien eine Schlagzeile wert. Da bewahrheitet sich mal wieder der Spruch „Only bad news is good news“.

Bei Radissimo geht es weiter

Insolvenz anmelden ist nicht gleichbedeutend mit Pleite sein

Wenn man das Wort Insolvenz hört, bekommt man erst mal einen gewaltigen Schreck. Als unsere Chefin uns letzte Woche sichtlich bewegt und den Tränen nahe eröffnete, dass sie Insolvenz anmelden musste, dachte jeder von uns sofort „Oh Gott, wir sind Pleite, was ist mit unseren Jobs, unseren Gehältern und unsere Zukunft“.  Dass  die Anmeldung einer Insolvenz nicht die sofortige Beendigung unserer Arbeitsverhältnisse bedeutet, war vielen von uns zunächst nicht klar. Unsere Chefin ist diesen Schritt gegangen, um unsere Arbeitsplätze nach Möglichkeit zu erhalten  und sicherzustellen, dass unsere Gäste ihre bereits geleisteten Zahlungen zurückbekommen bzw. ihre gebuchten Reisen antreten können. Wenn Buchungen aufgrund von Corona ausbleiben und alle Reisen storniert und erstattet werden müssen, die bis Ende April hätten starten sollen und ein Ende der Krise nicht abzusehen ist, dann sind finanzielle Rücklagen schnell aufgebraucht.

Saisoneröffnung zur Pfälzer Mandelblüte mit dem Radissimo-Team 2020

Einer für alle, alle für einen

Nachdem wir unsere erste Schockstarre überwunden hatten war klar, dass wir unsere Chefin nicht im Stich lassen würden.  Wir bekommen zwar derzeit kein Gehalt, aber nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens rückwirkend für drei Monate ein sogenanntes Insolvenzgeld.  In Krisenzeiten wie diesen zeigt sich, ob man in der Vergangenheit in puncto Mitarbeiterführung alles richtig gemacht hat oder nicht. Wir halten zusammen und arbeiten weiter, bis das Gericht unseren Fall entschieden hat.

Transparenz und Ehrlichkeit

Eine ehrliche und offene Informationspolitik zahlt sich aus. Wir haben alle Kunden sofort über unsere missliche Lage in Kenntnis gesetzt und Lösungswege aufgezeigt. Trotz der allgemeinen Unsicherheit ist es uns in vielen Telefongesprächen gelungen,  das Vertrauen in uns als Reiseveranstalter zu festigen. Das Feedback unserer Kunden war überwältigend – Verständnis, Mitgefühl, Respekt. Hier ein Auszug:

„Sie haben mein vollstes Verständnis und mein Mitgefühl! Ich habe Radissimo erst vor kurzem entdeckt und hoffe sehr, dass Ihr Unternehmen unter welcher Form auch immer weitermachen kann.“

„Für Sie und Ihre MitarbeiterInnen ist es jetzt natürlich sehr schwer mit den Folgen dieser Krise umzugehen und es ist sehr bedauerlich. Verlieren Sie nicht den Mut und die Hoffnung und ich wünsche Ihnen einen baldigen Neustart/Neuanfang.“

„Hallo und danke für die Mitteilung. Wir sind unendlich traurig und fühlen mit Ihnen allen. Hoffentlich ist das alles hier vorbei und es geht wieder aufwärts. Es gibt ein Leben nach Corona und dann hoffentlich mit Ihnen!“

„Wir wünschen Ihrem Unternehmen gut aus der durch Corona verschuldeten Situation herauszukommen und weiterarbeiten zu können. Vielleicht helfen die von der Politik aktuell beschlossenen Maßnahmen dazu. Viel Glück und bleiben Sie alle gesund.“

Interview mit Kristine Simonis, Inhaberin und Geschäftsführerin von Radissimo Radreisen über den Insolvenzantrag

Wir sitzen alle im selben Boot

Wir haben keine einzige negative Rückmeldung erhalten. Draußen muss jeder Bürger Abstand halten, aber im übertragenen Sinne haben jetzt viele das Bedürfnis zusammenzurücken. Bei Licht betrachtet sitzen wir ja auch alle im selben Boot. Die Corona Krise hat Auswirkungen auf jeden einzelnen von uns. Schul- und Kitaschließungen treffen alle Familien. Viele Menschen bangen um ihren Job oder wissen nicht wie sie mit dem Kurzarbeitergeld  oder Hartz IV über die Runden kommen sollen. Jeder hat sein individuelles Päckchen zu tragen und von daher auch Verständnis für die Nöte anderer.

Wie sieht die Zukunft nach Corona aus? Bleibt es beim Alten oder verändert sich alles?

Wir blicken nach vorn

Wir von Radissimo wollen nicht aufgeben, sondern nach vorne schauen. Wie heißt es so schön – eine  Krise ist auch immer eine Chance.  Statt die Köpfe hängen zu lassen und Trübsal zu blasen wollen wir uns „auf der grünen Wiese“ hinterfragen und neu auszurichten:

  • Wo liegen unsere Kernkompetenzen?
  • Was bieten wir in Zukunft an?
  • Müssen wir uns breiter aufstellen?
  • Was macht uns saisonal unabhängig?
  • Wo / wie wollen wir in Zukunft arbeiten?
  • Wohin wollen unsere Kunden reisen?

Nach der Krise wird vieles nicht mehr so sein wie vor der Krise, oder wie Zukunftsforscher Matthias Horx aus dem Jahr 2021 zurückblickend aufs Jahr 2020 sagt:

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

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Über Anke Maurer

Anke Maurer verkauft bei Radissimo Radreisen und betreut unsere Radgäste vor, während und nach ihrem Radurlaub. Privat ist Anke sowohl im Alltag als auch auf Reisen mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei wählt sie zwischen ihrem Reiserad, Faltrad oder Lastenrad.

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