Familienurlaub am Canal du Midi

In diesem Jahr wollten wir während der Osterferien dem deutschen Wetter zwei Wochen lang entfliehen. Wir, das sind mein Mann, unsere beiden Töchter (5 und 7 Jahre alt) und ich, Kristine Simonis. Unser Ziel: die Mittelmeerküste im Süden Frankreichs. Besseres Wetter hatten wir an den meisten Tagen leider nicht. Dafür haben wir mit Montpellier, Agde, Sète und Béziers gleich mehrere Orte besucht, die Teil unserer Radreise am Canal du Midi sind.

Blick aufs Meer bei Cap d'Agde
Blick aufs Meer bei Cap d’Agde

Montpellier oder die beste Falafel meines Lebens

Montpellier? Da müssen wir unbedingt wieder hin! Das waren unsere Gedanken, als uns die Atmosphäre der Stadt letztes Jahr während zweier Stadtspaziergänge in den Bann zog. Damals legten wir einen kurzen Zwischenstopp mit einer Übernachtung auf der Rückreise von Andalusien ein. Also planten wir in diesem Jahr drei Tage für die Stadt am Mittelmeer ein und machten sie zum Vorspiel unseres eigentlichen Urlaubs in Cap d’Agde rund 50 Kilometer weiter.

Steigt man in Montpellier aus dem Zug, begrüßen einen Palmen und man ist direkt im Urlaub. Herz der Stadt ist der Place de la Comédie – idealer Ausgangspunkt für Sightseeing- und Shopping-Touren und Heimat stilechter Cafés und Restaurants. Hier ist auf jeden Fall immer was los: Straßenkünstler, verliebte Pärchen, spielende Kinder, Menschen, die sich eine Auszeit in einem der Cafés gönnen und so viele mehr. Über den Platz wachen die drei Grazien in Form eines Brunnens. Rund um den Platz stehen prächtige Gebäude im Haussmannschen Stil, eines davon ist die Opéra Comédie. Über allem schwebt das typische Flair einer Universitätsstadt – in Montpellier ist fast jeder Vierte als Student eingeschrieben. In seinen Stadtspaziergang sollte man auf jeden Fall auch den Porte du Peyrou und das Aquädukt Saint Clément einbeziehen.

An vielen Orten spürt man außerdem den marokkanischen Einfluss in Montpellier. Der Geruch der Gewürze hängt in der Luft, es gibt kleine Straßenverkäufe und Läden. In einem kleinen Gässchen habe ich in einem dieser Straßenverkäufe die bisher beste Falafel meines Lebens gegessen. Einfach toll, authentisch und superlecker.

Spaziergang durch Montpellier
Spaziergang durch Montpellier

Radeln rund um Agde

Nach drei Tagen ging es weiter zum eigentlichen Ziel unserer Reise – das Seebad Cap d’Agde in der Stadt Agde. Die Lage direkt am Meer war natürlich toll für die Kinder, auch wenn wir zu dieser Jahreszeit nicht mit Badewetter beschenkt wurden. Dafür war der Strand mit Muscheln übersät, so dass sich die Kinder allein mit Muschel-Sammeln stundenlang beschäftigen konnten.

Die Altstadt von Agde ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Stadt gilt – nach Marseille und Beziérs – als eine der ältesten Frankreichs. Gegründet wurde sie als griechische Kolonie bereits im 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Derzeit werden viele der mittelalterlichen Häuschen und die aus schwarzem Basalt erbaute Kathedrale renoviert.

Von hier aus erkundeten wir die Gegend rund um den Canal du Midi. Während der zehn Tage haben wir für uns vier je ein Fahrrad gemietet. Eine Premiere, denn bisher hatten wir für unsere jetzt Fünfjährige immer noch einen Anhänger. Diesmal durfte sie komplett selbst fahren. Immer wieder sind wir zum Beispiel an die Steilküste geradelt. Ein Tag ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Wir machten uns schon früh morgens auf den Weg. Das Wetter war neblig und regnerisch. Als wir nachmittags zurückfuhren das komplette Gegenteil: strahlend blauer Himmel mit Sonnenschein. Für mich faszinierend und ein tolles Gefühl, zwei so unterschiedliche Stimmungen am gleichen Ort in so kurzer Zeit zu erleben.

Nur ein kleiner Teil des Hafens in Cap d'Agde
Nur ein kleiner Teil des Hafens in Cap d’Agde

Die Radwege in Agde selbst sind leider nicht die allerbesten. Aber sobald man die nächste Umgebung verlässt oder am Canal du Midi radelt, sind überall Radwege ausgewiesen, die ihrem Namen auch alle Ehre machen. Mit den Kindern hatten wir zwar nur einen begrenzten Radius. Aber viele Radler, die wir unterwegs getroffen haben, schwärmten von der Radinfrastruktur in der weiteren Region. Wer sich speziell für den Canal du Midi interessiert, sollte auf jeden Fall die Schleuse in Agde besuchen. Es ist nämlich die einzige Schleuse des Kanals mit einem runden Schleusenbecken. Außerdem hat das Becken gleich drei Schleusentore, weil von hier zusätzlich ein Kanal direkt zum Mittelmeer führt.

Tagesausflug nach Sète

Sète ist ein hübsches Hafenstädtchen direkt am Étang de Thau, in den der Canal du Midi mündet. Auf der anderen Seite der Stadt liegt das Mittelmeer und die Stadt selbst ist von unzähligen kleinen Kanälen durchzogen. Wen wundert es also, dass die Stadt den Spitznamen Klein-Venedig von Languedoc trägt.

Unseren Ausflug haben wir extra auf den Markttag gelegt. In einer riesigen Halle präsentieren unzählige Händler ihre Waren wie Obst und Gemüse, Käse, Fisch oder Fleisch. Unser Glück: Im Hafen lag gerade ein spanisches Piratenschiff, das originalgetreu nachgebaut worden war. Die Besichtigung war gerade für die Kinder ein absolutes Highlight. Für uns Eltern war dafür der Kaffee an der Promenade ein echter Genuss.

Kapitänskajüte des spanischen Piratenschiffs
Kapitänskajüte des spanischen Piratenschiffs

Béziers – Heimat des Canal du Midi

Wer den Canal du Midi entlangradelt, für den ist Béziers eigentlich ein Muss. Schließlich ist die Stadt der Geburtsort Pierre-Paul Riquets, dem Erbauer des Kanals. Seine Statue steht auf den Allées Paul Riquet. Heute ein moderner Platz mit viel Grün und Wasser, wo wir im Schatten der Bäume die Seele baumeln ließen. Gleichzeitig laden hier Restaurants zum Einkehren ein. Geographischer Höhepunkt der Stadt ist die Cathédrale Saint-Nazaire de Béziers. Von hier hatten wir einen wunderschönen Blick über die Stadt, das malerische Umland mit seinen Wiesen und Wäldern und den Orb mitsamt seinen Brücken, die in die Stadt führen.

Am meisten beeindruckt hat uns aber die Schleusentreppe Fonserannes. Mit sechs Schleusenkammern überwinden Schiffe hier einen Höhenunterschied von fast 14 Metern. Die Zeit, einen kompletten Schleusengang zu beobachten, war es für uns auf jeden Fall wert!

Am Ende unserer Zeit am Canal du Midi stand für uns fest: Wir kommen gerne wieder. Allein schon deshalb, weil wir es nicht bis nach Carcasonne geschafft haben, was ich so gerne gesehen hätte. Das lag in diesem Jahr aber noch außerhalb der Radelreichweite unserer Töchter.

Blick von der Cathédrale Saint-Nazaire de Béziers auf das Umland
Blick von der Cathédrale Saint-Nazaire de Béziers auf das Umland

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