Gras drüber

So durchwachsen wie das Wetter im November ist auch das Verhältnis mancher Radfahrer zu ihren Rädern. Während das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, wird das Rad eher stiefmütterlich behandelt.

Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, wie man sein Rad „vergessen“ kann. An den beiden oben abgebildeten Rädern fahre ich seit Ende Juli fast täglich vorbei. Der Götterbaum – auch Zukunftsbaum genannt, weil er dem Klimawandel trotzt – wächst von Monat zu Monat weiter durch die Speichen des hinteren roten Rades. Beide Fahrräder sind jeweils mit einem Schloss mittlerer Qualität an einem jetzt allerdings kaum noch sichtbaren Stahlbügel angeschlossen. Das vordere Rad hat mittlerweile einen Plattfuß, mit dem hinteren könnte ich sofort losfahren.

In Städten wie Karlsruhe werden jedes Jahr hunderte sogenannter Schrotträder eingesammelt.
In Städten wie Karlsruhe werden jedes Jahr hunderte sogenannter Schrotträder eingesammelt.

Seit Monaten wurden die beiden Räder nicht mehr bewegt. Jemand hat sie hier abgestellt und sich danach nicht mehr um sie gekümmert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nennt mich altmodisch, aber ich bin wie die Väter des Grundgesetzes der Meinung, dass Eigentum verpflichtet. Theoretisch kann zwar jeder mit seinen Sachen machen, was er will, aber wir sind auch alle ein Stück weit der Allgemeinheit verpflichtet. Die Räder werden vor sich hin rosten und irgendwann wird ein Sattel fehlen. Danach ist erfahrungsgemäß kein Halten mehr – die Räder werden regelrecht ausgeschlachtet bis nur noch der angeschlossene Rahmen übrig bleibt. Ähnlich wie bei der „Broken Windows Theorie“ besteht auch hier ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verfall der Räder und der kriminellen Energie einzelner Bürger.

Wären die Räder mit einem Fahrradkorb ausgestattet, hätte man diese schon lange als Mülleimer umfunktioniert. Da der oder die Eigentümer sich nicht kümmern, muss die Allgemeinheit – sprich der Steuerzahler –dann letztendlich für die Entsorgung der Räder aufkommen.

Für Städte wie Karlsruhe sind „Fahrradleichen“ ein immenses Problem. Jedes Jahr werden einige Hundert solcher Schrotträder eingesammelt. Die meisten am Bahnhof. Was mich tröstet, ist die Tatsache, dass die meisten Räder oder zumindest alle brauchbaren Teile davon nicht in der Schrottpresse landen, sondern von gemeinnützigen Organisationen oder Vereinen wie „Bikes without borders“ wieder hergerichtet werden.

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