Macht Radfahren impotent?

Radfahren verbessert die Fitness und nützt der Gesundheit. Trotzdem sind manche Biker in Sorge. Schadet der Sattel der Potenz? Wir informieren über aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft und klären die Frage: Macht Radfahren impotent?

Gesundheitliche Studien zum Radfahren

Macht Radfahren impotent?

Macht Radfahren impotent?

Seit langem glauben viele Menschen, dass das Fahrradfahren zur Impotenz führt. Umstrittene Untersuchungen, die in den vergangenen Jahrzehnten erschienen, trugen zum Irrglauben bei. So sorgte ein erster Fallbericht schon 1987 für Aufsehen. Damals berichteten Fachleute in der Zeitschrift „Postgraduate Medicine“ von einem 55-jährigen Mann, der nach regelmäßiger Verwendung eines Heimtrainers über Potenzprobleme klagte. Als der Mann einen Monat auf das Gerät verzichtete, verschwanden diese Probleme jedoch wieder.

Neuere Studien scheinen den damaligen Verdacht nicht zu belegen. So befragten norwegische Forscher 1997 die Teilnehmer eines 540-Kilometer-Radrennens für Amateure. Zwar klagten 21 Prozent aller Teilnehmer über Taubheitsgefühle am Penis, allerdings verschwanden diese Symptome ebenfalls innerhalb eines Monats. Durch eine weitere Untersuchung fanden Wissenschaftler 2016 heraus, dass es bei Radfahrern kein erhöhtes Risiko für Impotenz gibt. Sie befragten rund 4.000 Schwimmer, Läufer und Biker. Die Impotenzrate unterschied sich kaum.

Sensible Körperteile vom Radfahren betroffen

Urologe Stefan Staudte steigt gerne auf sein Mountainbike. Der Mediziner betont, dass die wissenschaftliche Lage zur Thematik „leider nicht eindeutig“ sei. Aus eigener Erfahrung berichtet der Münchner von Taubheitsgefühlen in den Genitalien, die sich bis zu einer vorübergehenden Impotenz steigerten. Dieser Befund sei aber sehr selten, betont der Wissenschaftler im Gespräch mit „Spiegel-Online“. Zumeist seien Fahrer betroffen, die regelmäßig sehr lange Routen fahren.

Taubheitsgefühle im Intimbereiche kämen häufiger vor, sagt Staudte. Von diesem Problem seien übrigens nicht nur Männer, sondern auch Frauen betroffen, wobei den Mediziner diese Beschwerden kaum überraschen. Viele Experten glauben, dass eine falsche Sitzposition zu solchen Problemen führt. Falls das Körpergewicht sich nicht gleichmäßig auf dem Fahrradsattel verteilt, wird der Bereich zwischen den Genitalien und dem Anus besonders belastet.

Lesetipp: Auch im Radissimo-Blog haben wir schon über die richtige Sitzhaltung informiert, damit Po und Penis beim Radfahren nicht einschlafen.

Weil im betroffenen Bereich, dem Damm, zahlreiche Nerven und Arterien verlaufen, lässt sich das taube Gefühl erklären. Änderungen sind wichtig, falls es solche Taubheitsgefühle oder sogar Schmerzen im Intimbereich gibt. Allerdings ist es falsch, das Radfahren aufzugeben. Schließlich fördert der Sport die Durchblutung, was sogar vor Potenzproblemen schützt. Dieser Ansicht sind auch die Wissenschaftler der „Harvard Medical School“, die zur Veränderung der Sitzposition raten, falls es doch einmal zu Beschwerden kommt.

Impotent durch Radfahren? Richtiger Sattel bei Beschwerden

Damit Radfahrer ihr Gewicht richtig verlagern, müssen sie die Sitzposition verändern. So kann es hilfreich sein, den Lenker nach oben zu verstellen, um aufrechter zu fahren. Rennradfahrer müssen darauf achten, dass sich Lenker und Sattel zumindest annähernd auf gleicher Höhe befinden. Urologen wie Stefan Staudte raten zudem dazu, die Sattelbreite zu überprüfen. Dieser „sollte so breit sein, dass die Sitzknochen gut darauf passen“, betont der Mediziner.

Die richtige Breite des Sattels lässt sich testen. Dazu legen Fahrradfahrer eine Wellpappe auf einen Hocker. Danach drücken Interessierte die Sitzknochen in das Material. Anhand der Druckstellen lässt sich die optimale Sattelbreite errechnen, wobei Radfahrer rechts und links jeweils zwei Zentimeter hinzufügen. Dabei gilt laut Staudte folgender Grundsatz: „Je aufrechter der Sitz, desto breiter der Sattel“. Wer ein Rennrad verwendet, wählt also eine schmalere Ausführung. Die Nutzer eines Citybikes entscheiden sich eher für eine breite Variante.

Führt Radfahren zu Impotenz?

Dass ein Mann durch das Radfahren eine Impotenz erleidet, erscheint sehr unwahrscheinlich. Trotzdem kann es zu Schmerzen im Intimbereich kommen. Wer Taubheitsgefühle oder gar Erektionsprobleme registriert, sollte zunächst seine Position auf dem Bike überprüfen. Ein neuer Sattel ist oft hilfreich. Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass es ein Fehler wäre, das Radfahren aufzugeben. Schließlich sei die Bewegung grundsätzlich gesund, weswegen sie sogar vor Problemen mit der Potenz schützen kann.

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