Meine erste Radreise war eine Katastrophe

Falls Sie mich noch nicht kennen: Ich bin Anke, die Neue bei Radissimo. Einmal pro Woche werde ich hier künftig meine Gedanken rund ums Rad aufschreiben. Wie versprochen geht es heute um meine erste Radreise.

Meine erste Radreise war eine totale Katastrophe. Es waren die 80er Jahre und ich studierte noch. Mit einer Freundin hatte ich eine Tour durch Irland geplant. Wir wollten von der Ostküste von Dublin in den Süden nach Cork radeln. Was der krönende Abschluss ansonsten arbeitsreicher Semesterferien hatte werden sollen, endete im Streit am Hafen von Rosslare in Wexford.

Alles andere als eine Katastrophe: die atemberaubende Landschaft Irlands.
Alles andere als eine Katastrophe: die atemberaubende Landschaft Irlands.

Gott, waren wir damals naiv. In jugendlicher Selbstüberschätzung hatten wir uns viel zu viel vorgenommen und bei der Planung so gut wie alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte:

  • Ungeeignete Räder
  • Zu viel Gepäck
  • Vollkommene Leistungsüberschätzung
  • Falsches Kartenmaterial

Aber aus Schaden wird man ja bekanntlich klug. Damals dachte ich, dass auch “Flachlandtiroler” wie ich die anspruchsvolle Strecke locker schaffen können, solange sie nur einigermaßen fit sind. Dass mein Rad für so eine Reise nicht geeignet sein könnte, wäre mir im Leben nicht eingefallen. Ans Gepäck hatte ich überhaupt keinen Gedanken verschwendet und Karten lesen muss man können. Sonst landet man wie wir im Nirgendwo, aber nicht am Ziel der Tagesetappe.

Die paar Anstiege!

Leider war ich nach zwei Monaten Kellnern an der Ostseeküste alles andere als fit. Die ständigen Anstiege zermürbten mich. Bergauf musste ich aus dem Sattel gehen und mich weit nach vorn über den Lenker beugen. Sonst hatte ich ständig das Gefühl, das Rad könnte sich unter der Last des Gepäcks nach hinten überschlagen. Bergab war es nicht viel besser. Je höher die Geschwindigkeit, desto mehr Mühe hatte ich, die Spur zu halten. Statt die Aussicht zu genießen und die scheinbar zum Greifen nahen Schäfchenwolken zu bewundern, die sanft über unseren Köpfen dahinglitten, galt meine ganze Konzentration der Straße und dem Rad.

Mit meinem heutigen Reiserad wäre in Irland damals einiges anders gelaufen.
Mit meinem heutigen Reiserad wäre in Irland damals einiges anders gelaufen.

Damals als Studentin hatte ich ein billiges Rad, das für die täglichen Fahrten zwischen Studentenbude und Uni ausreichte. Für eine Radreise, wie wir sie “geplant” hatten, war es leider vollkommen ungeeignet.

So kam es wie es kommen musste. Auf halber Strecke trennten sich meine Freundin und ich uns im Streit am Hafen von Rosslare. Ich fuhr mit der Fähre zurück nach Hause, sie zu ihren Gasteltern nach Brighton.

Aus Schaden wird man klug

Radreisende waren in den 80er Jahren noch Exoten. Radreiseveranstalter wie Radissimo gab es zwar schon vereinzelt, aber sie führten noch ein Nischendasein. Wir hätten uns ihren Service – Reiseplanung, Hotelbuchung, Gepäcktransport und Leihräder – sowieso nicht leisten können.

Heute könnte ich mir diesen Service leisten, würde aber immer mit einem meiner eigenen Räder anreisen – dem Reiserad von Rennstahl oder meinem “Kleinen Schwarzen”, dem Faltrad von Tern.

Mit dem Klapprad hat man maximale Flexibilität.
Mit dem Klapprad hat man maximale Flexibilität.

Weniger ist mehr

Ich transportiere mein Reisegepäck immer noch selbst. Meine Devise lautet daher “weniger ist mehr”. Denn auch als Frau sollte man sein beladenes Rad immer alleine tragen oder eine Treppe hochschieben können. Denn die Fahrstühle an Bahnhöfen sind erfahrungsgemäß immer dann defekt, wenn man sie braucht. Ein Rad mit Reisegepäck wiegt gut und gern 25 – 30 kg. Bei Pedelecs ist das Gewicht noch höher.

Wer jetzt denkt, oh mein Gott, dann sind Radreisen nichts für mich, liegt falsch. Aber man sollte sich vor Reiseantritt Gedanken über das Gepäck machen. Wer sein Gepäck selbst transportieren möchte, sollte sich im Vorfeld in puncto Bike-Packing informieren.

Noch unbeschwerter reist, wer sich den Gepäcktransport von A nach B abnehmen lässt. Wer dennoch unsicher ist, was er mitnehmen sollte, dem empfehle ich unsere Checkliste.

Man selbst fährt unbeschwert von einem Ort zum anderen, während der Radreiseveranstalter sich um alles andere kümmert. Wenn ich diesen Service schon damals in Irland hätte in Anspruch nehmen können, dann wäre ich mit Sicherheit am angedachten Ziel in Cork angekommen statt in Rosslare kleinlaut den Heimweg anzutreten.

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