Mit dem Rad durch Zeeland – ein Reisebericht von Kristine Simonis

Im letzten Jahr haben wir Familienurlaub in Zeeland gemacht. Natürlich sind wir auch viel mit dem Rad gefahren. Aber warum gerade Zeeland? Meine Schwiegereltern hatten schon ein paar Jahre zuvor hier ihren Urlaub verbracht. Begeistert von der Region wollten sie, dass auch wir Zeeland kennen und lieben lernen. Soviel sei schon vorher verraten: Es hat geklappt.

Radfahren an der Küste Zeelands.
Radfahren an der Küste Zeelands.

Los gings mit dem Zug. Wir haben immer das Ziel, während des Urlaubs kein Auto zu nutzen – und auch dieses Mal haben wir das hinbekommen. Ausgangspunkt für unsere Radtouren: der Campingplatz in Domburg. Fahrräder haben wir vor Ort ausgeliehen. Auf dem Campingplatz selbst gab es einen großen und gut ausgestatteten Fahrradverleih mit Kinderrädern, Follow-me-bikes und allen anderen Rädern, die das Herz begehrt. In den nächsten beiden Wochen waren wir die meiste Zeit mit Bakfiets und Eltern-Kind-Tandem unterwegs. Sind wir nur kurze Strecken geradelt, hatten die Kinder ihr eigenes Fahrrad dabei. So ausgerüstet sind wir in den nächsten beiden Wochen die ganze Küste rund um Domburg entlang geradelt.

Westkapelle: eine Windmühle, zwei Leuchttürme

Auf einem unserer ersten Ausflüge haben wir uns auf den Weg nach Westkapelle gemacht. Hier gibt es gleich zwei Leuchttürme. Einen kleinen in klassischem rot-weiß am Deich Richtung Domburg und einen großen am Ortsrand. Dieser wurde auf dem Unterbau einer Kirche errichtet: Die Kirchturmspitze wurde gekappt und durch eine Leuchtturmspitze samt Lampenhaus ersetzt. Zusammen bilden die Leuchttürme eine Navigationslinie, um den Schiffen den Weg vom Oostgat in die Westerschelde zu weisen. Im Meer verlängern Bojen die Linie der beiden Leuchttürme. Besichtigt haben wir natürlich beide.

Außerdem haben wir eine Windmühle besucht. Gerade für die Kinder war das natürlich ein tolles Erlebnis. An bestimmten Tagen werden die Windmühlen auf Zeeland von ehrenamtlichen Helfern geöffnet und in Betrieb gesetzt.

Unterwegs waren wir mit Eltern-Kind-Tandem und Bakfiets.
Unterwegs waren wir mit Eltern-Kind-Tandem und Bakfiets.

Schafe scheren auf dem Historischen Markt in Veere

Einen tollen Tag hatten wir in Veere. Hier gibt es im Sommer über zwei Monate lang jeden Dienstag einen Historischen Markt, bei dem die ganze Stadt auf den Beinen ist. Von Woche zu Woche bieten die einzelnen Märkte dabei unterschiedliche Besonderheiten wie Trachtenshow, Hufeisen schmieden oder Scherenschleifer. Als wir dort waren, stand die Schafschur auf dem Programm. Dafür wurde in der Mitte des Marktplatzes eine kleine, von Bäumen gesäumte Grünfläche mit einem Zaun abgesperrt. Die Schafe wurden eingelassen und dann geschoren. Nicht nur für die Kinder ein nicht-alltägliches und spannendes Erlebnis. Ansonsten gibt es auf dem Markt natürlich allerlei andere Leckereien und Besonderheiten, die auf traditionelle Weise hergestellt und auf dem Markt feilgeboten werden.

Nicht weit entfernt von Veere ist der Oosterscheldekering. Es ist Teil der Deltawerke, die die Niederlande vor Hochwasser und Sturmfluten schützen. Wer in der Nähe ist, sollte sich dieses imposante Bauwerk unbedingt ansehen.

Vlissingen: die Insel im Rücken, Festland im Blick

Wer an der Küste in Vlissingen steht, kann nach Süden bis auf das Zeeländische Festland schauen. Hier kann man außerdem beobachten, wie unzählige riesige Frachtschiffe ihrem Weg von oder nach Antwerpen folgen. Einen Ausflug in die Welt der Piraten kann man in Vlissingen im Maritimen MuZEEum machen. Die Kleinen können sich verkleiden und in die Rolle eines Piraten schlüpfen. Mit Schatzkarte und Säbel müssen die Kinder verschiedene Dinge im Museum finden. Höhepunkt ist im wahrsten Sinne des Wortes die von oben, wo man einen tollen Blick über den Hafen hat.

Muzeeum mit Ausblick
Muzeeum mit Ausblick

Grachtenfahrt in Middelburg

In der Hauptstadt von Zeeland stand eine Grachtenfahrt auf dem Programm. Wegen der besonders niedrigen Brücken hieß es hier: Vorsicht, ducken! Eigentlich wollten wir hier Kloveniersdoelen, das Haus der Schützengilde besuchen. Meine Schwiegereltern hatten es uns empfohlen und von dem tollen Garten geschwärmt, wo man auch sitzen und essen kann. Leider war es geschlossen, als wir da waren. Naja, nächstes Mal!

Stattdessen haben wir einen kleinen Stadtbummel gemacht. Mit den Kanälen und den vielen schmalen Häusern haben wir uns wie in Klein-Amsterdam gefühlt.

Grachtenfahrt in Middelburg
Grachtenfahrt in Middelburg

Domburg ist toll!

Wir waren aber nicht jeden Tag mit dem Rad unterwegs. Klar, dass die Kinder zwischendurch einfach mal einen Tag am Strand verbringen wollen. Und genau dafür ist Domburg mit seinem breiten und vor allem sauberen Strand ausgezeichnet. Noch besser wird der Strand nur, wenn man ein paar Kilometer zum Strand Richtung Breezand radelt. Mitten auf dem Strand steht dort ein riesiges Piratenschiff als Spielplatz. Je nach Stand von Ebbe und Flut liegt das Schiff teilweise direkt am Meer. Überhaupt ist das Meer um Zeeland ein Traum für die Kinder. Weil es so flach ist, können selbst die Kleinen ziemlich weit ins Meer und stehen trotzdem nur bis zur Hüfte im Wasser.

Der Blick aufs Meer vom Strand in Zeeland
Der Blick aufs Meer vom Strand in Zeeland

Domburg war nicht nur wegen dem tollen Strand und Campingplatz eine gute Standortwahl. In dem kleinen Örtchen ist immer etwas los. Einmal in der Woche gibt es etwa einen Markt mit großer Auswahl. Dann kommen die Menschen von überall her. Auch sonst kann man hier gut einkaufen. Wer lieber seine Ruhe hat, ist gleich in den Dünen und am Meer. Und nach einem 10-minütigen Spaziergang sieht man keine Menschenseele mehr.

Pommes, Pannenkoeken, Poffertjes

Unterwegs haben wir uns meist mit kleinen Imbissen gestärkt. Der absolute Renner bei Kindern und uns Erwachsenen: Kibbeling mit Pommes und Remouladensoße. Ganz weit oben standen natürlich auch Pannenkoeken und Poffertjes. Auf dem Campingplatz haben wir uns selbst versorgt und gegrillt oder gekocht.

Einen der schönsten Momente unserer Reise hatten wir am letzten Abend vor der Abfahrt. In Domburg haben wir uns alle noch ein Eis geholt. Zwei Kugeln für jeden. Ich hatte weiße Schokolade. So versorgt sind wir gemeinsam zum Aussichtspunkt am Strand gegangen. Dort sahen wir in weiter Ferne ein Unwetter aufziehen, während wir noch in der strahlenden Abendsonne standen. Für mich ein absolut faszinierender Augenblick. Einer der besonderen kleinen Momente, die man in Erinnerung behält und die einem von Zeit zu Zeit das Herz erleichtern.

Sonnenuntergang in Domburg
Sonnenuntergang in Domburg

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