Mit wieviel Promille darf man radfahren?

Wer betrunken mit dem Auto fährt, muss mit erheblichen Konsequenzen wie mit einem Führerscheinentzug rechnen. Was viele nicht wissen: Auch das Radfahren im betrunkenen Zustand kann zu diversen negativen Folgen führen, wenngleich die Regelungen liberaler als beim Autofahren sind. So liegt die Promillegrenze höher. Mit wieviel Promille darf man radfahren?

Ab 1,6 Promille ist Radfahren eine Straftat

Mit wieviel Promille darf man Radfahren?

Mit wieviel Promille darf man Radfahren?

Der Gesetzgeber betrachtet Radfahrer ab einem Promillewert von 1,6 als absolut fahruntüchtig. Die Folge ist eine Geldstrafe, die oft bei rund 30 Tagessätzen liegt. Konkret bedeutet das, dass Verkehrsteilnehmer ein komplettes Monatsnettogehalt bezahlen müssen. Zusätzlich wirkt sich ein solcher Gesetzesverstoß für alle ungünstig aus, die eine Fahrerlaubnis für ein Fahrzeug besitzen:

  • Zum einen verzeichnen sie drei Punkte in der Flensburger Datei.
  • Zum anderen droht die Anordnung einer MPU-Untersuchung: Bei einem Durchfallen verlieren Betroffene ihren Führerschein.
  • In besonders schwerwiegenden Fällen kann die zuständige Behörde zusätzlich ein Fahrradverbot anordnen. Das kommt in der Praxis aber eher selten vor, Voraussetzung ist eine akute Wiederholungsgefahr.

Strafe bereits beim Fahrradfahren ab 0,3 Promille möglich

Bei einem Promillewert über 1,6 spielt das tatsächliche Fahrverhalten beim Fahrradfahren keinerlei Rolle. Auch wenn sich Radfahrer im betrunkenen Zustand einigermaßen sicher im Straßenverkehr bewegen, verbietet die Polizei die Weiterfahrt mit dem Fahrrad und bringt den Gesetzesverstoß zur Anzeige.

Anders sieht es bei einem Promillewert zwischen 0,3 und 1,59 aus. In diesem Fall handelt es sich um keine absolute Fahruntüchtigkeit, sondern eine relative Fahruntüchtigkeit. Die Polizei greift nur ein, wenn Radfahrer mit ihrem Verhalten den Straßenverkehr gefährden. Ein typisches Beispiel ist das Fahren in Schlangenlinie. Das Missachten von Verkehrsregeln gehört ebenso dazu. Konsequenzen gibt es zudem, wenn betrunkene Radfahrer einen Unfall verursachen. Die Polizei muss beweisen, dass die Unfallursache zumindest zum Teil auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Stellt die Polizei die Fahruntüchtigkeit ohne Unfall oder nach einem Unfall fest, können sich die alkoholisierten Radfahrer mit denselben Strafen wie bei einer absoluten Fahruntüchtigkeit konfrontiert sehen.

Betrunken radfahren: Forderung nach strengeren Regelungen

Die Verkehrsminister des Bundes und der Länder haben wiederholt eine geringere Promillegrenze von 1,1 für die absolute Fahruntüchtigkeit diskutiert. Der Lobbyverband Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC) unterstützt einen neuen Schwellenwert, weil er die Fahrtüchtigkeit bei diesem Alkoholgehalt verneint. Wer so viel Alkohol konsumiert hat, kann laut den ADFC-Experten nicht mehr adäquat reagieren. Die Reaktionszeiten würden sich im Vergleich zu Nüchternen deutlich verlängern. Deshalb raten sie Radfahrern aus Eigeninteresse dazu, bei einem solchen Alkoholkonsum das Rad stehen zu lassen oder zu schieben. Das würde die Unfallgefahr in erheblichem Umfang reduzieren.

Alkohol im Verkehr: Autofahrer, Pedelecs, E-Bikes und Fußgänger

Bei einer betrunkenen Autofahrt geht der Staat wesentlich konsequenter als bei Radfahrern vor. Ab einem Promillewert von 0,5 verhängen die Behörden beim ersten Verstoß eine Geldbuße von 500 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot. Bei einem Wert ab 1,1 entziehen sie den Führerschein, es kommt eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe hinzu. Verantworten die Fahrer eine Gefährdung des Verkehrs, sind diese Strafen bereits ab einem Wert von 0,3 relevant.

Achtung: Diese strikten Regelungen treffen auch auf alle Nutzer von Pedelecs und E-Bikes zu, welche die Leistung von 25 km/h übertreffen. Mit Fahrrädern sind nur die Modelle gleichgestellt, die höchstens diese Obergrenze erreichen. Es lohnt sich darüber hinaus, einen Blick auf die möglichen Strafen für alkoholisierte Fußgänger zu werfen: Der Staat bestraft sie ausschließlich bei einer Verkehrsgefährdung. Das ist ein guter Grund, bei übermäßigem Alkoholkonsum auf das Fahrrad zu verzichten.

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