Nacktradeln – Darf man nackt Fahrrad fahren?

Auch wenn man sie selten sieht: Nacktradler gibt es auf der ganzen Welt. Manche touren durch wenig belebte Gegenden, um nicht aufzufallen. Andere forcieren den öffentlichen Auftritt mit Fahrrad, aber ohne Kleidung, was meist demonstrativ-politische Hintergründe hat. Doch darf man eigentlich nackt Fahrrad fahren? Dieser Beitrag klärt über das Nacktradeln auf.

Die Gesetzeslage für nackte Fahrradfahrer

Die Mühe, sämtliche deutsche Gesetze zu durchforsten, um herauszufinden, ob Nacktradeln verboten ist, kann man sich getrost sparen. Es existiert kein Paragraph, der sich explizit zu dieser Angelegenheit äußert. Daraus lässt sich ableiten, dass nacktes Radfahren nicht gänzlich unerlaubt ist. Der Haken an der Sache: Beim nackt Fahrradfahren droht eine Anzeige wegen der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“. Heißt im Klartext: Fühlt sich jemand, der einem Nacktradler begegnet, durch diesen derart negativ berührt, dass er zum Handy greift, die Polizei anruft und Anzeige erstattet, sind unangenehme Konsequenzen für den unbekleideten Fahrradfahrer nicht auszuschließen. Man befindet sich also auf einem schmalen Grat zwischen erlaubt und unerlaubt. Ein gewisses Risiko ist beim Nacktradeln in der Öffentlichkeit also (fast) immer gegeben – im Übrigen nicht nur in rechtlicher Hinsicht…

Über die Verletzungsgefahren beim Nacktradeln

In der Tat sollte man die gesundheitlichen Gefahren, die das nackte Radfahren mit sich bringt, nicht unterschätzen. Bei Stürzen beispielsweise kann jeder (fehlende) Millimeter Stoff das Ausmaß der Verletzungen beeinflussen – in die gute wie in die schlechte Richtung. Des Weiteren ist Nacktradeln gerade im Genital- und Gesäßbereich nicht selten mit erheblichen Schmerzen verbunden. Dies gilt selbstverständlich nicht für jedermann und -frau – man muss es einfach ausprobieren, wenn grundsätzlich Interesse besteht, diese spezielle Variante des Fahrradfahrens zu praktizieren. Wichtig ist zudem, den Sattel jeweils vor und nach dem Akt zu desinfizieren und zu säubern, um die Bakterien, die sich dort während der Fahrt natürlich ansammeln, zu entfernen. Auf diese Weise schützt man sich und andere, die das Rad eventuell noch benutzen wollen, vor Infektionen.

Nackt Fahrrad fahren als Mischung aus Sport und Protest

Nacktradeln ist keine rein private Angelegenheit – im Gegenteil: Jahr für Jahr werden Events veranstaltet, bei denen nackte Fahrradfahrer die Hauptakteure sind und als Demonstranten in Erscheinung treten. Sie protestieren gegen die Benachteiligung der Radfahrer im Straßenverkehr und gegen die Umweltbelastung, die durch Autofahrer hervorgerufen wird. Seit 2004 gibt es sogar einen Welttag des nackten Fahrradfahrens. Dieser ereignet sich immer im Juni. Nacktradel-Demos müssen angemeldet werden – deshalb kommen sie noch nicht in allen Städten zustande. Viele Länder lehnen diese Form des sportlichen Protestes derzeit noch ab und verbieten die Umsetzung entsprechender Veranstaltungen. Wer an einer der inzwischen schon legendären Demonstrationen teilnehmen will, reist am besten nach Saragossa oder nach London.

Bekannte internationale Nacktradel-Events

Das bekannteste internationale Nacktradel-Event heißt „World Naked Bike Ride“ (kurz WNBR). Es wurde 2001 in Saragossa ins Leben gerufen und findet mittlerweile in zahlreichen Städten weltweit statt. Der größte WNBR ereignet sich in London. Sowohl die spanische als auch die englische City sind es wert, erkundet zu werden – auch in unbekleidetem Zustand im Zuge der gigantischen Protestaktion. Wer sich dem Nacktradeln lieber „privat“ hingibt, studiert am besten die Lage verschiedener FKK-Campingplätze. An solchen Örtlichkeiten ist das nackte Radfahren nicht nur gestattet, sondern sogar erwünscht. Man kann sich also vollkommen unbefangen entkleiden und den warmen Fahrtwind an jeder einzelnen Körperstelle genießen. Besonders schöne FKK-Campingplätze warten beispielsweise an der Ostsee, im italienischen Kalabrien, in Zeewolde in den Niederlanden und Tigringer See im österreichischen Bundesland Kärnten.

Nacktradeln – ein halberlaubtes Vergnügen

Nacktradeln ist weder richtig erlaubt noch wirklich verboten. Wagt man sich unbekleidet aufs Zweirad und fährt damit durch Zonen, die nicht als FKK-Gebiete ausgeschrieben sind, kann eine Anzeige wegen öffentlichen Ärgernisses die ungemütliche Folge sein. Deshalb empfiehlt es sich für begeisterte Nacktfahrradfahrer, auf FKK-Campingplätze und andere ausgewiesene FKK-Gefilde auszuweichen oder an einem der internationalen Events teilzunehmen, denn: Der WNBR in Saragossa oder London ist definitiv ein unvergessliches Erlebnis.

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7 Kommentare

  1. Wahnsinn was man alles lesen kann! Auch der Tipp mit der Desinfektion ist klasse, ich wäre darauf nicht gekommen. Allerdings musste ich daran denken, wenn man es nicht tut und jemand klaut das Rad könnte das doch eine ideale „späte“ Rache sein oder?^^

    Toller Bericht!
    Bernd

  2. Lustig, mit was beschäftigt ihr Euch denn für Themen. :)
    Aber interessant. Nacktradeln ist nicht unter allen Umständen verboten.

    Vielleicht sollte man gerade im Osten (die Leute dort sind ja immer noch offener für FKK) spezielle Nacktradelrouten einrichten. Touristisch wär das bestimmt was dolles. :)

    • Hallo lieber RadtourenChecker,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir freuen uns, dass Dir das Thema gefällt. Würdest Du denn dann auch die FKK-Radtour für uns testen? :-)

      Viele Grüße,
      das Radissimo-Team

  3. Hallo,
    reine Nacktheit genügt nicht, um den Tatbestand der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ nach § 183a StGB zu erfüllen. Dazu wäre es erforderlich, daß man „…öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt…“. Hier in München werden z.B. regelmäßig Nacktradeltouren organisiert (www.isar-nacktsport.de).

  4. Gestern bin ich selbst nackt zu einem Badesee mit FKK Bereich in der Nähe von München geradelt. Als ich die befestigte Straße verlassen habe, habe ich mich ausgezogen und bin nackt weitergefahren. Ich bin dann noch eine ganze Weile durch das ausgedehnte Naherholungsgebiet geradelt und erst an der Stzraße habe ich mich wieder angezogen. Mir sind einige Jogger, Fußgänger und andere Radler begegnet, keiner hat etwas gesagt.

  5. Leider gibt es keine WNBR-Termine in Deutschland. Anscheinend gibt es in Deutschland keinen Grund für die Rechte von Radfahrern zu demonstrieren oder aber wir sind zu verklemmt, um mal nackig mit dem Rad zu fahren.

    So extrem verklemmt dann allerdings wohl doch wieder nicht, denn ich fahre im Sommer öfter mal nackt Rad. Dann aber erst spät abends oder nachts und in eher ruhigen Gegenden (Radwanderwege, an Flüssen, Wiesen und Feldern oder auch mal ruhige Wohngegenden). Ich würde jetzt auch nicht durch die Innenstadt fahren. Also wenn dann nur mit vielen anderen im Rahmen eines „World Naked Bike Ride“.

    Es ist einfach ein cooles Gefühl, so ohne Kleidung auf dem Rad.
    Gelegentlich lassen sich Begegnungen mit anderen Menschen (Radlern, Jogger, Fussgänger, etc.) nicht vermeiden, aber es hat sich bisher noch niemand negativ geäußert. Die Leute schmunzeln, lächeln oder gucken erstaunt.

    Ich grüße freundlich und versuche auch nicht mich zu verstecken, wenn ich jemanden sehen, so dass man auch gleich merkt, dass ich keinerlei böse Absichten habe.

  6. Wann gibts endlich ein Naked Bike Ride in Deutschland?!

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