Radfahren im Winter: Welche Kleidung und Ausrüstung brauche ich?

Radfahren im Winter heißt, sich gegen schwierige Bedingungen zu wappnen: Minusgrade, Dunkelheit, Schnee, Regen und Eis, feuchtes Laub und rutschige Wege. Wie man sich genau rüsten muss, „kommt darauf an, ob es Winter wie in unseren Gefilden ist, also Karlsruhe, oder eher im Schwarzwald“, erklärt Kristine Simonis.

Wer im Winter mit dem Rad fährt, sollte ein paar Dinge beachten


Wer im Winter mit dem Rad fährt, sollte ein paar Dinge beachten

„Gute Kleidung haben, sichtbar sein, der Helm ist im Winter noch wichtiger.“ Das sind in Gegenden mit eher mildem Winter die entscheidenden Kriterien, so die Gründerin von Radissimo. Ansonsten gilt: „Seinen inneren Schweinehund überwinden, dass man sich auch bei kalten Temperaturen in den Sattel schwingt.“

Mit der richtigen Kleidung muss man auch im Winter weder frieren noch schwitzen

Bewährte Zwiebeltechnik

Frau Simonis schwört nicht nur im Winter auf die Zwiebeltechnik: „Ich hab immer tausend Schichten an. Unterwegs oder zu Hause kann ich immer eine Schicht ausziehen und bin trotzdem noch warm eingepackt. Wenn ich einen dicken Pullover anhabe, kann ich den anlassen und schwitzen oder ausziehen und frieren.“

Die Zwiebeltechnik eignet sich hervorragend fürs Radfahren im Winter. Dabei zieht man statt einer sehr warmen Jacke mehrere dünnere Schichten übereinander an. Das hat den Vorteil, dass man bei längeren Touren immer wieder eine Schicht an- oder ausziehen kann. Auch für kurze Strecken wie den Arbeitsweg ist die Zwiebeltechnik ideal. Seine Kleidung passt man so leicht an das Wetter des jeweiligen Tages an. Vor allem kann man die Kleidung für alle Jahreszeiten nutzen, wenn man sich nach der Zwiebeltechnik kleidet. Pedelec-Fahrer müssen sich besonders vor der Kälte schützen. Durch die elektrische Unterstützung bewegen sie sich weniger, weshalb sich ihr Körper weniger erwärmt.

Bewährt haben sich vier Grundschichten aus atmungsaktiver Funktionsunterwäsche, einem sogenannten Baselayer, einer mittleren Schicht und einer Softshell-Jacke als Schutz vor Wind und Regen.

Atmungsaktive Funktionsunterwäsche und Baselayer

Die Zwiebeltechnik eignet sich ideal fürs Radfahren im Winter

Die richtige Fahrradkleidung hält im Winter trocken und warm

Diese beiden Schichten müssen vor allem Schweiß weiterleiten, ohne ihn aufzunehmen, und warm und trocken halten. Dafür eignen sich synthetische Materialien oder Wolle wie Merinowolle.

  • Material: Synthetik oder Wolle
  • feuchtigkeitsleitend, schnelltrocknend

Mittlere Schicht

Die mittlere Schicht soll vor allem warm halten. Dafür eignen sich ein Pullover, dünne Jacken z.B. aus Fleece oder Westen.

  • Feuchtigkeit aufnehmen
  • Wärme halten

Jacken

Die äußere Schicht muss uns vor Wind, Kälte und Feuchtigkeit schützen. Je nach Wetterlage eignen sich dafür Softshell-, Hardshell- oder Regenjacken.

Hosen

Ob Strumpfhose, lange Unterhose oder spezielle Funktionsunterwäsche: Eine Schicht unter der normalen Hose wirkt oft Wunder. Wenn es richtig kalt und windig wird, kann man eine Regenhose drüber ziehen oder eine spezielle Schutzhose kaufen. Diese sind vorne meist winddicht, während die Rückseite atmungsaktiv ist, so dass Feuchtigkeit entweichen kann.

Mütze und Handschuhe

„Unter einen Fahrradhelm passt nicht jede Mütze“, weiß Kristine Simonis. Daher sind die Mützen zum Radfahren meist etwas dünner als normale Wintermützen. Heute gibt es spezielle winddichte Varianten. Wer nicht so schnell friert, kann eine gewöhnliche Baumwollmütze wählen. Wer mit Mütze fährt, sollte außerdem seinen Fahrradhelm neu einstellen.

Warme Hände sind beim Radeln besonders wichtig. Lenken und Bremsen werden sonst zur Qual. Je nach Geschmack eignen sich dafür Lederhandschuhe oder Handschuhe aus synthetischem Material. Auch diese sollten nicht zu dick sein, weil das sonst das Fahrgefühl einschränkt.

Schutz fürs Gesicht

„Wenn es wirklich kalt ist, habe ich immer einen Schal vor dem Mund. Wichtig ist auch, dass man sich gut eincremt. Das gilt besonders für Kinder.“ Eine fetthaltige Creme und ein Schal im Gesicht schützen besonders gegen eisigen Wind. Für das Gesicht gibt es außerdem Gesichtsmasken oder spezielle Schutzbrillen. Durch die Nase zu atmen, wärmt die Luft auf und feuchtet sie an, bevor sie in die Lunge gelangt.

Fahrradkleidung im Winter sollte hell sein

Fahrradkleidung im Winter muss nicht nur warm und trocken halten, sondern auch hell sein. Am besten sind natürlich reflektierende Elemente an der Kleidung. „Meine Kinder haben immer eine Warnweste an“, erklärt Simonis. Bis vor Kurzem hatte ihre fünfjährige Tochter außerdem eine Fahne am Gepäckträger. Die macht Kinder auf Höhe der Autofahrer besser sichtbar. Allerdings kann eine Fahne auch das Fahrgefühl stören oder andere treffen, wenn sie hin und her wackelt. „Deswegen haben wir sie jetzt abgemacht.“

Welches Equipment erleichtert das Radfahren im Winter?

Fahrrad-Beleuchtung für den Winter

Zwei Fahrräder stehen am See

Wer Fahrrad fährt, muss gut sichtbar sein

Gerade für Fahrradfahrer ist kaum etwas wichtiger, als im Verkehr sichtbar zu sein. Mindestens an der vorgeschriebenen Beleuchtung führt also kein Weg vorbei. Wer mit Dynamo fährt, hat optimalerweise einen Nabendynamo mit LED-Lampen. Der funktioniert auch bei Schnee und Regen zuverlässig und erhöht den Widerstand beim Fahren kaum.

Die günstigere Alternative ist Steckbeleuchtung. Diese sollte man nicht am Fahrrad lassen. Die Kälte schwächt die Batterie. Auf beleuchteten Strecken reichen meist 50 Lumen Lichtstrom aus. Wer mit dem Rad viel auf unbeleuchteten Wegen fährt, sollte sich eine Beleuchtung bis 100 Lumen anschaffen. Kinderfahrräder haben meist kein eigenes Licht. Das heißt, sie brauchen ein abnehmbares Licht. Was viele vergessen: Auch Fahrrad-Anhänger haben in der Regel keine Beleuchtung, die muss man auch nachmontieren.

Brauche ich im Winter andere Fahrrad-Reifen?

Für Fahrräder gibt es Reifen mit einer speziellen Winter-Gummimischung. Diese eignet sich besonders auf rutschigen Untergründen, also auch auf geräumten Wegen. Wo der Winter meist mild bleibt und es selten schneit oder Glatteis hat, reichen normale Reifen mit ausgeprägtem Profil in der Regel aus. Wichtig ist grundsätzlich, dass Profil und Seiten der Reifen in gutem Zustand sind. Denn der Winter belastet das Material besonders stark. Spezielle Spikereifen braucht man dagegen nur, wenn man viel über vereiste Strecken oder Wege mit festem Schnee fährt.

Luftdruck und Sattel senken verbessert das Fahrgefühl

Grundsätzlich gilt: Je breiter der Reifen ist, desto besser ist der Halt auf feuchten, nassen oder verschneiten Wegen. Deshalb hilft es schon, wenn man den Luftdruck in den Reifen etwas senkt. Gut ist auch, den Sattel etwas niedriger zu stellen. Mit tieferem Schwerpunkt halten wir leichter die Balance. Besonders Kinder müssen die Füße immer leicht absetzen können.

„Vorsichtig fahren, gefühlvoll bremsen“ – wie passt man seinen Fahrstil im Winter an?

Regen macht Straßen im Winter schneller rutschig als im Sommer

Regen macht Straßen im Winter schneller rutschig als im Sommer

Im Winter hat man es als Radfahrer mit unterschiedlichen Verhältnissen zu tun. „Sobald es ein bisschen regnet, ist es viel rutschiger als im Sommer“, so Simonis. Kein Problem sind frische Schneedecken. Auf festen Schneedecken verkanten Räder dagegen schnell. Ist der Fahrbelag rutschig oder sogar glatt, muss man seinen Fahrstil entsprechend anpassen.

So fährt man im Winter sicherer:

  • Abstand halten
  • Tempo reduzieren
  • in Kurven weder bremsen noch treten
  • auf Glatteis nicht lenken, sondern das Fahrrad ohne zu bremsen ausrollen lassen
  • mit niedrigem Gang fahren
  • in Kurven das Gewicht auf das äußere Pedal verlagern

Außerdem gilt: Fahrradwege werden in Deutschland meist nicht geräumt. Oft schieben Räumfahrzeuge Schnee und Schlamm sogar von der Straße auf Radwege. In diesem Fall dürfen Fahrradfahrer von den matschigen und zerfurchten Radwegen auf die geräumte Straße wechseln.

Fahrräder brauchen im Winter besondere Pflege

Wer im Winter viel mit dem Rad fährt, muss seinen Drahtesel gut pflegen. Regen, Dreck, Streusalz und Schlamm belasten Bremsen, Ketten und Reifen stark. Gerade am Winteranfang und -ende sollte man einen umfangreichen Materialcheck machen. Wer sein Fahrrad nachts an einem geschützten Ort unterstellen kann, sollte das tun. Wichtig ist auch, regelmäßig seine Fahrradkette zu ölen. Ein Enteisungsspray für das Fahrradschloss verhindert böse Überraschungen.

Wer sich auch im Winter aufs Rad schwingt, tut seinem Immunsystem etwas Gutes

Wasserburg im Winter

Wasserburg im Winter

Die tägliche Bewegung im Winter stärkt unser Immunsystem und regt den Kreislauf an. Wer auch im Winter regelmäßig mit dem Fahrrad fährt, bleibt oft auch in der Erkältungs- und Grippezeit gesund. Zusätzlich beugt man damit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen oder Bluthochdruck vor. Eine Studie der Ecolibro GmbH zeigt: Wer seinen Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt, hat im Schnitt ein Drittel weniger Krankheitstage.

Außerdem hilft tägliches Radfahren auch, die einzelnen Tage aktiver und positiver zu gestalten. Das kennt Frau Simonis aus eigener Erfahrung: „Wenn ich nicht mit dem Fahrrad fahre, bin ich schlecht gelaunt. Ich komme auch trotz Kaffee viel schlechter in den Tag. Abends hilft mir das Radfahren, dass ich meinen Arbeitsalltag nicht mit nach Hause nehme, sondern auch den Cut habe dazwischen und mich auspowern kann. Das geht bei mir immer ganz schnell. Und man bleibt gesund. Auch die Kinder bleiben gesund. Wir haben seit vier Jahren glaube ich keine Erkältung gehabt. Das hilft schon, wenn die jeden Tag bei Wind und Wetter Fahrrad fahren. Ich finde, das spart das Fitnessstudio.“

Und das Fazit von Frau Simonis zum Winter? „Ich finds toll, weil es auf den Radwegen nicht so voll ist.“

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