Radissimo wird 15: Ein Blick zurück mit Kristine Simonis

Radissimo wird 15 Jahre alt. Zusammen mit Kristine Simonis, Geschäftsführerin und Gründerin des Radreiseveranstalters, blicken wir zurück auf die vergangenen 15 Jahre. Das Unternehmen hat sie 2004 mit einer Freundin gegründet. Beide haben zusammen BWL mit Schwerpunkt Touristik studiert und 2001 abgeschlossen. „Damals wollte niemand mehr in der Touristik einstellen. Und selbständig zu sein, war ohnehin unser Traum“, erklärt Simonis. Sie wollten es besser machen, als ihre bisherigen Chefs.

Radissimo wird 15 Jahre alt.
Radissimo wird 15 Jahre alt.

Radissimo erblickt das Licht der Welt

Klar war auch, dass sie Radreisen organisieren wollten: „Wir waren damals schon leidenschaftliche Radlerinnen und kommen beide aus Fahrradstädten. Wir konnten uns mit der Art des Reisens identifizieren.“ Am 16.9.2004 war es soweit: Radissimo erblickt das Licht der Welt – und zwar in Bergisch-Gladbach. „Wir hatten ein Minibüro, als wir angefangen haben“, so Simonis.

Am Anfang bietet Radissimo vor allem individuelle Reisen sowie Rad- und Schiffsreisen insbesondere in Holland an. Bis heute eines der liebsten Reiseziele von Simonis: „Ich liebe Holland. Es ist immer traumhaft zum Radeln. Die Infrastruktur und das Knotenpunktsystem für Radfahrer sind toll, die Menschen sind nett.“ Um das Unternehmen bekannt zu machen, besuchen die Unternehmerinnen in den ersten Jahren deutschlandweit Woche für Woche zahlreiche Messen. Daneben radeln sie zum Beispiel durch Holland, das Ruhrgebiet und an Rhein, Ahr und Erft, um neue Touren auszuarbeiten.

Die Reise geht nach Karlsruhe

Radissimo wächst schnell: Die Reisen werden mehr, der Katalog wird dicker und bald platzt das Büro aus allen Nähten. Um das Pensum zu schaffen, wollen die beiden eine Mitarbeiterin einstellen. Beide Frauen stammen aus Süddeutschland und nutzen die Gelegenheit, um 2007 wieder in die Heimat zurückzukehren.

Die Entscheidung fiel zwischen Karlsruhe und Freiburg. In der Fächerstadt waren die Mieten günstiger und die Lage geeigneter, um zum Beispiel Messen zu besuchen. „Das war ein großer Schritt für uns und Radissimo. Wir haben erste Angestellte und Auszubildende eingestellt. Das begann alles mit dem Umzug“, so Kristine Simonis über eine der wichtigsten Etappen des Radreiseveranstalters. Inzwischen ist Karlsruhe längst Heimat von Kristine Simonis und Radissimo geworden.

Die Zeiten ändern sich: Links der erste Messestand aus dem Jahr 2005, rechts unser Auftritt auf der Offerta 2018
Die Zeiten ändern sich: Links der erste Messestand aus dem Jahr 2005, rechts unser Auftritt auf der Offerta 2018

Nachhaltigkeit: Mitglied im Forum anders reisen und CSR-Zertifizierung

Im Jahr des Umzugs tritt Radissimo dem Forum anders reisen bei. Der Verband fördert Nachhaltigkeit im Tourismus. Als einer der ersten Reiseveranstalter erhält Radissimo das CSR-Siegel von TourCert.

Überhaupt war Nachhaltigkeit von Anfang an ein wichtiges Thema im Unternehmen. Auch das war ein Grund, weshalb Simonis gerade ein Radreiseunternehmen gründete: „Man bewegt sich mit seiner eigenen Muskelkraft fort, ist in der freien Natur. Man ist hautnah dabei und sieht die Auswirkungen in der Umwelt. Gerade, wenn man nach zehn Jahren wieder wo hinkommt und sieht, was sich verändert hat. Wenn wir so weiterleben, wie wir heute leben, wird es schwierig für unsere Kinder.“ Damit Radissimo als Radreiseveranstalter seinen Teil zum Positiven beitragen kann, muss natürlich auch das drumherum der Radreisen stimmen: „Deswegen empfehlen wir immer die Bahnanreise“, so Simonis.

Der erste Radissimo-Katalog 2005. Daneben die Akten für die CSR-Zertifizierung. Der Umwelt zuliebe verzichten wir heute auf gedruckte Kataloge und haben das papierlose Büro eingeführt.
Der erste Radissimo-Katalog 2005. Daneben die Akten für die CSR-Zertifizierung. Der Umwelt zuliebe verzichten wir heute auf gedruckte Kataloge und haben das papierlose Büro eingeführt.

„Lehrgeld ist gut, das muss man immer bezahlen.“

Und was würde Kristine Simonis anders machen, stünde sie nochmal ganz am Anfang? „Nicht viel“, so die Unternehmerin, „ich würde mir von Anfang an eine Mentorin holen, die mich über die Jahre begleitet.“ Zwar hatte Radissimo von Beginn an eine Unternehmensberatung an der Seite. Trotzdem fehlte jemand, „der auch praktische Erfahrungen mitbringt, weiß, wie es abläuft und worauf man achten muss.“ So mussten die Unternehmerinnen gerade am Anfang viel Lehrgeld bezahlen. „Lehrgeld ist gut, das muss man immer bezahlen. Aber wenn man jemanden neben sich hat, ist es einfacher“, so Simonis.

Ein wichtiges Kriterium für eine solche Begleitung: „Für mich als Unternehmerin wäre es wichtig, dass mich eine Frau begleitet. Frauen haben eine andere Perspektive, eine andere Art zu führen, haben in der Regel andere Prioritäten in ihrem Leben. Außerdem finde ich, dass es immer noch an weiblichen Vorbildern fehlt.“

Die ursprünglichen Pläne haben sich geändert

Und heute? Simonis ist längst alleinige Chefin. Wenige Jahre nach dem Umzug nach Karlsruhe trennten sich die Wege der beiden Unternehmerinnen. Auch ihre Ziele sind heute andere als vor 15 Jahren: „Unsere Pläne waren eigentlich, nach 10 Jahren ein Radreiseimperium zu haben. Was sich daraus entwickelt hat, ist besser. Wir sind gewachsen, aber ich kenne trotzdem alle meine Mitarbeiterinnen und viele Kunden. Außerdem habe ich zwei Kinder, bin verheiratet und heute alleinige Geschäftsführerin. Das war damals alles nicht auf dem Plan.“

Die Töchter von Kristine Simonis sind heute sieben und fünf Jahre alt. „Die Kinder haben die Prioritäten in meinem Leben verschoben. Das hat auch Auswirkungen auf Radissimo gehabt“, so Simonis. Nach beiden Geburten nimmt ihr Mann jeweils neun Monate Elternzeit. Im Unternehmen muss sich Simonis in dieser Zeit trotzdem auf das Wesentliche konzentrieren und das Alltagsgeschäft nach und nach delegieren: „Vieles musste von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgefangen werden, weil ich nicht mehr so präsent und einsatzfähig war.“

Unsere Geburtstagstorte.
Unsere Geburtstagstorte.

Was bringt die Zukunft?

Kristine Simonis ist eine moderne Unternehmerin. Die Zukunft beginnt bei ihr immer schon gestern. Im vergangenen Jahr hat sie mit Radissimo beispielsweise am Förderprogramm Unternehmenswert: Mensch plus teilgenommen. Seitdem hat sich viel verändert. Zum Beispiel ist das Büro ist moderner ausgestattet, die Digitalisierung von Radissimo ist in vollem Gange, Papier gibt es praktisch nicht mehr.

Neu ist auch Genussradeln-Pfalz. Das Unternehmen ist seit diesem Jahr Teil der Radissimo-Familie und ein Projekt, das Kristine Simonis sehr am Herzen liegt. Genussradeln bietet Tagesausflüge und Wochenend-Trips für Privatkunden, Unternehmen und Vereine mit dem E-Bike.

Und wie sieht es in 15 Jahren aus? Bei dieser Frage muss Kristine Simonis lachen. „Dann sind hoffentlich die Kinder aus dem Haus“, sagt sie und klopft auf Holz. Was dann mit Radissimo ist, weiß sie nicht. So weit vorauszuplanen ist unmöglich: „Die Welt dreht sich so schnell.“ Und wenn sie sich etwas wünschen darf? „Dann sind die Themen Radreisen, Nachhaltigkeit, Aktivreisen und gesund sein nicht mehr nur eine Nische, sondern das, was jeder macht. Mainstream. Hoffe ich.“

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