Wir sind doch nicht aus Zucker

Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung!

Freitag, Mitte Oktober – statt Büro steht heute ein Betriebsausflug auf dem Programm. Nicht unser eigener – mit Genussradeln zeigen wir einem Notariat die schöne Pfalz.

Welcher Schatz sich wohl am Ende dieses Regenbogens verbarg?
Welcher Schatz sich wohl am Ende dieses Regenbogens verbarg?

Als wir uns morgens zu Dritt – zwei meiner Kolleginnen begleiteten einen anderen Betriebsausflug – auf den Weg in die Pfalz machten, war die Welt noch in Ordnung. Hinter uns blauer Himmel und Sonnenschein, vor uns über den Pfälzer Bergen ein gigantischer Regenbogen vor tiefhängenden Regenwolken und herbstlich bunt leuchtenden Blättern.

Kurz nach acht wurde ich in Rhodt unter Rietburg abgesetzt und meine Kolleginnen fuhren weiter nach Bad Dürkheim. Ich hatte nun zwei Stunden Zeit, durch den Ort zu schlendern, zu frühstücken und ein paar Fotos zu machen. Um 10 Uhr hatte ich mich mit einem unserer ortskundigen Radtouren-Begleiter am Hotel Alte Rebschule verabredet. Ich war als “Besenwagen” für die Genussradel-Tour eingeteilt. Ich sollte helfen, die Räder vorzubereiten, mich ein wenig um die Gäste kümmern und aufpassen, dass unterwegs niemand verloren geht.

Der Fuhrpark

Herr Rumler, der Leihrad-Vermieter, hatte bereits am Abend vorher 26 Pedelecs angeliefert. Bis zur Ankunft der Gäste aus der Eifel hatten wir eine Stunde Zeit, die Räder vor dem Hotel aufzubauen und mit einer Gepäcktasche und zwei Flaschen Wasser auszustatten.

Die Räder waren bereits auf die Körpergröße der einzelnen Gäste eingestellt. Der Leihrad-Vermieter hatte an jedem Gepäckträger einen Zettel mit dem Namen des jeweiligen Radfahrers befestigt.

Die Räder auf ihre Plätze, fertig - los.
Die Räder auf ihre Plätze, fertig – los.

Kaum waren wir mit unseren Vorbereitungen fertig, fuhr der Bus mit den Gästen auch schon vor. Bevor wir losradelten, wies Herr Weindel die Gäste in die “Geheimnisse” des Pedelec-Fahrens ein. Vor allem die jungen Gäste Anfang 20 entpuppten sich erstaunlicherweise als wenig Fahrrad-affin. Bis auf eine Ausnahme hatten alle Räder eine Nabenschaltung. Wie man einen Drehgriff betätigt, kann man einem Menschen, der selten bis gar nicht mit dem Rad unterwegs ist, schneller erklären als eine Kettenschaltung.

Die Frage “braucht von Ihnen noch jemand eine Regenhose oder Regenjacke” wurde allgemein verneint. Als wir uns auf den Weg machten, war es bewölkt und mit 16 Grad angenehm temperiert.

Es reicht nicht Regenhosen mitzunehmen, man muss sie auch anziehen

Ich hatte eine Regenhose an, zog sie aber bei unserem ersten Stopp wieder aus, da mir zu warm war. Das sollte sich als ein fataler Fehler herausstellen. Kurz vor Maikammer fing es nämlich an zu regnen. Erst nur ganz leicht, dann wurde es heftiger. Und schließlich schüttete es wie aus Eimern. Da ich ja der Besenwagen war und hinten den Anschluss halten sollte, konnte ich nicht einfach anhalten und die Hose wieder anziehen. Ich hätte im Gewirr der Weinberge die Gruppe aus den Augen verloren.

Da ein Ende des Regens nicht abzusehen war, kehrten wir um, ohne dem Hambacher Schloss einen Besuch abgestattet zu haben. Niemandem war nach Kultur zumute, alle wollten so schnell wie möglich ins Trockene. Wir flogen förmlich zum Ausgangspunkt zurück, wo man uns im Gasthaus Sesel bereits erwartete. Wir waren klatschnass. Man brachte uns Handtücher und Haartrockner. Ich ergatterte für meine triefnasse Hose einen Platz an der Heizung und zog die trockene Regenhose einfach über die Unterhose. Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Da die Gäste über Nacht blieben, hatten sie Wechselsachen dabei.

Nach dem Regen ist vor dem Genussradeln.
Nach dem Regen ist vor dem Genussradeln.

Nachdem sich alle umgezogen und eine heiße Suppe verspeist hatten, machte sich wieder gute Laune breit. “Wir sind doch nicht aus Zucker! Von diesem Morgen werden wir bestimmt noch lange reden! Weißt du noch, damals als wir morgens auf der Radtour so klatschnass geworden sind?”

Alle nahmen es mit Humor. Und als nach dem Essen sogar die Sonne wieder zum Vorschein kam, wollten alle die Tour wie geplant fortsetzen.

Der gute Geist im Rebenmeer

Nachmittags war uns der Geist in den Reben wohlgesonnen.
Nachmittags war uns der Geist in den Reben wohlgesonnen.

Nachmittags war der gute Geist des Rebenmeeres uns wohlgesonnen. Sonne, Wolken und kurze Regenschauer wechselten einander ab. Wir fuhren von Rhodt aus in südliche Richtung über Hainfeld und Flemlingen nach Böchingen. Unterwegs genossen wir Trauben, …

Trauben naschen beim Genussradeln in der Pfalz. Lecker!
Trauben naschen beim Genussradeln in der Pfalz. Lecker!

… passierten den einen oder anderen “Kunstgenuss”, …

Darf es ein bisschen Kunst sein?
Darf es ein bisschen Kunst sein?

… fuhren kreuz und quer durch die noch regennassen Weinberge, konnten uns von der Robustheit der Leih-Räder überzeugen und erhaschten immer wieder einen Blick über die atemberaubend schöne Landschaft der Südlichen Weinstraße.

Wunderschöne Landschaften hat die Pfalz in Hülle und Fülle.
Wunderschöne Landschaften hat die Pfalz in Hülle und Fülle.

Die Radtour endete am späten Nachmittag am Weingut Möwes in Weyher. Während für die Gäste jetzt die von uns organisierte Weinverkostung auf dem Programm stand, kümmerten wir uns um die Räder und das Gepäck.

Kaum hatten wir alle Helme und Fahrradtaschen wieder eingesammelt, gesäubert und verstaut, kam auch schon der LKW, um die Räder wieder abzuholen. Während wir von Radissimo jetzt Feierabend hatten, mussten Herr Rumler und sein Team noch eine Nachtschicht einlegen. Nach dem Verleih ist bekanntlich vor dem Verleih.

Für sie hieß es

Räder aufladen
Räder abladen
Räder putzen
Räder prüfen und ggf. reparieren
Akkus aufladen
Räder richten für neue Kunden

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